Regina Gregory & Yvonne Hacker

06.3.2015 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

„Leben und Leben lassen“ ist leider gestorben…

Lisa Spreckmeyer pixelio.de

Wer kennt das gute, alte Sprichwort noch? Wo kommt es her? Wussten Sie dass es ein Zitat Goethes war? Über Jahrhunderte ist es daher bekannt und in Verwendung. Seinen traurigen Höhepunkt erlebte das Sprichwort, als man es in den beiden Weltkriegen leider wörtlich nehmen musste. Doch leben wir als Gesellschaft auch mit dieser Einstellung?

Was bedeutet es? Einfach und prägnant drückt es doch viel mehr aus, als die Summe seiner Worte. Es zeigt uns einerseits Toleranz auf, drückt aber auch aus, dass wir dem „Nächsten“ auch seinen Anteil vergönnt sind.

Vor kurzem machte mich jemand darauf aufmerksam, dass er den Spruch aus seiner Jugend kennt, ihn aber Jahrzehnte nicht mehr gehört hat. Stattdessen scheint die Prämisse „Jeder ist sich selbst der Nächste“ in den Vordergrund getreten zu sein.

 

Das Ganze funktioniert nur im Zusammenspiel seiner Einzelteile

Aber kann man das wirklich so pauschal sehen? Wie können wir wissen, wie die frühere Generation wirklich dachte und fühlte? Egoismus, Machtgier und Intoleranz gab es zu jeder Zeit. Das mag richtig sein. Dennoch gab es Zeiten, wo die Summe derer, die sich als Mitglied eines funktionierenden Systems erkannten und fühlten, größer war, als dies heute der Fall ist. Alleine schon das Familienleben fand in anderen Größenordnungen statt, als heutzutage.

Natürlich hat man auch früher auf sein eigenes Überleben geschaut – aber der Blickwinkel auf den anderen war noch vorhanden. Selbstverständlich soll es MIR gut gehen, ja, aber auch DU sollst überleben können! Gerade im Businessbereich wurde vor Jahrzehnten noch auf dieses Gleichgewicht geachtet.

Oft nicht einmal aus bloßem Mitgefühl bzw. der Nächstenliebe wegen – oft vielleicht auch rein auf den eigenen Vorteil bedacht.- Nur wenn auch DU überlebst, ist MEIN Überleben gesichert!

 

So wie man in den Wald hineinruft …

Das System als Ganzes wurde mehr wahrgenommen und respektiert. Man verstand, dass wenn man seine Kunden betrügt oder seine Mitarbeiter ausbeutet, das darauf hinauslaufen würde, dass seine Kunden wiederum ihre Geschäftspartner ausquetschen mussten und seine Mitarbeiter, seine Produkte nicht mehr kaufen und empfehlen würden und in Demotivation dem Unternehmen auf lange Sicht, sei es beabsichtigt oder unbeabsichtigt, dem Unternehmen schaden würden.

Es wurde noch verstanden, dass ein falsches Spiel letztendlich auf sie selbst zurückfallen würde. Geht es meinen Kunden, Lieferanten, Anrainern und Mitarbeitern nicht gut – werde auch ich ein Problem bekommen.

 

Das neue Zeitalter der Gier

Diese Grundhaltung ist heutzutage leider zur Seltenheit geworden. Die Themen der letzten Jahrzehnte lauten „Gier“, „mangelangetriebenes Begehren“, „Zerschlagung von Gemeinschaftsdenken“. Der Slogan "Geiz ist geil" passt perfekt, um diese Wandlung anschaulich darzustellen. Er war fast wie ein Glockenschlag – der nach einem langen Weg in diese Richtung,  das Ankommen in diesem Zeitalter eingeläutet hat.

Das geordnete Zusammenspiel der einzelnen Mitglieder ist aus dem Ruder gelaufen. Wie gehen wir als Menschheit mit dieser Einstellung um, wenn es erst einmal zu außergewöhnlichen Belastungen kommt, wie Notstände, Zusammenbruch des Finanzsystems, Katastrophen oder Lebensmittelknappheit?

Werden wir uns gegenseitig die Schädel einschlagen, wenn wir ums nackte Überleben kämpfen, wenn wir jetzt schon rücksichtslos mit unseren Mitbewohnern dieses Planeten umgehen.

 

Die Kurve kratzen?

Ob wir das Ruder nochmal herumreißen können wird sich zeigen. Natürlich ist es immer leicht zu sagen „Ja wir brauchen ein komplett neues System!“ – ja sicher müssen wir uns um Dinge wie Umweltprobleme, Ausbeute von Ressourcen, Ausbeute von Arbeitskräften, Korruption, fingierte Berichterstattung, Medizin die gegen den Menschen handelt, Armut und vieles mehr kümmern.

Aber im Kleinen können wir auch selbst beginnen. Leben und leben lassen. Üben wir uns in Toleranz und erkennen wir auch wieder, dass der Nächste ein genau so wichtiger Teil des Ganzen ist wie wir selbst!

 

Selbstprüfung – was kann ich kleines Rädchen tun?

Wenn wir zu jenen gehören, die die anderen hochheben und unser eigenes Licht unter den Scheffel stellen, dürfen wir uns daran erinnern, dass wir ein wichtiger Teil des Ganzen sind, der nicht fehlen darf.

Wenn wir zu jenen gehören, die sich wahnsinnig wichtig nehmen, müssen wir lernen uns einzugestehen, nun auch wir können uns mal irren.

Wenn wir zu jenen gehören, die jede Verschlechterung wortlos akzeptieren – seien wir überzeugt, wir verdienen Verbesserungen und keine Verschlechterungen.

Wenn wir zu jenen gehören, die um ihre Ziele zu erreichen über „Leichen gehen“ – halten wir inne und überlegen, wann jemand über unsere Leiche steigen wird!

Vergessen wir nicht, dass auch der Große ohne die Kleinen nicht kann und wenn der Große das selber nicht begreift, ist es ein Dienst an der Menschheit dass wir Kleinen sie darauf aufmerksam  machen!

Zum Schluss noch ein Sprichwort aus China:

Nur derjenige hat den rechten Vorteil im Auge, der auch den Vorteil des anderen mitbedenkt.

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