Mag. Veronika Derfler

02.8.2013 von Mag. Veronika Derfler (Kommentare: 0)

Alltägliche Resilienz - Beobachtung aus dem Auto:

bildcredit Mag. Veronika Derfler

Ein älterer Mann will in die Strassenbahn einsteigen, er drückt den Türöffner, nichts passiert, er drückt nochmals, sie geht nicht auf. Er stützt sich an den Fenstern ab und geht so schnell er kann zur nächsten Tür. Als er diese erreicht, setzt sich der Zug in Bewegung.

Er dreht um Richtung Gehsteig, Richtung Haltestelle, er schüttelt den Kopf. Im Schritttempo rolle ich vorbei, Mitgefühl erfüllt mich. „Bleib stehen und nimm ihn mit!“ schiesst es mir durch den Kopf. Und schon Tempo wieder dem Auto-Verkehr angepasst. Chance auf die gute Tat verpasst, ich bin berührt und ärgere mich.

 

Was diese Geschichte mit Resilienz zu tun hat ? Und was bedeutet Resilienz? Es beschreibt die Fähigkeit, optimal mit  Krisen, Veränderungen, Misserfolgen und traumatischen Erfahrungen umzugehen.

 

Univ.-Prof. Dr. Linda Pelzmann, Wirtschaftspsychologin an der Alpe-Adria-Universität in Klagenfurt, beschreibt Resilienz als „die Fähigkeit, immer wieder aufzustehen und sich zu regenerieren nach einem schweren Schock oder Rückschlag.“ Und weiter: „Für den Aufbruch in die neue Welt braucht man resiliente Führungskräfte, die auch unter schwierigen Bedingungen der Ungewissheit und Unsicherheit handlungsfähig sind.“ (Linda Pelzmann, „Wirtschaftspsychologie“, Verlag Österreich)

 

Stehaufmanderl-Effekt quasi. Das ist Resilienz.

 

Ich lasse meine Phantasie schweifen: Der alte Mann wird, ohne sich selbst für den  erlittenen Rückschlag zu bestrafen, auf die nächste Strassenbahn warten, das stille Angebot der haltestelleneigenen Selbstbedienungs-Waage annehmen, sich denken „was wiegt, das hat's“, den Wind auf seiner Haut spüren und dann den Daumen rausstrecken.

Oder er setzt sich auf's Bankerl, beginnt ein Gespräch mit der sympathischen Dame mit Hund und aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Spazier-Gemeinschaft.

Er erkennt die Möglichkeiten, die die neue Situation in sich birgt und nimmt sie eigenverantwortlich als Chancen wahr, ohne am  Strassenbahnführer, sich selbst oder dem Leben an sich  zu zweifeln. Er geniesst die spürbare Entschleunigung und wiederkehrende Sicherheit.

 

Optimistisch und flexibel auf eine Situation reagieren, die Realität als solche ohne Sündenböcke auszumachen, akzeptieren, das Beste draus machen, und damit die Sache schön rund bleibt, die Unannehmlichkeit aushalten, ohne sich länger als nötig mit der Schlappe zu belasten. Lösungsorientierung also, und dann Planung: Was mache ich, wie und mit wem ?!

 

Gilt für mich genauso: Ich nehme mir vor, in Zukunft spontan aus der alltäglichen Routine auszubrechen um mutig auf eine Eingebung zu reagieren, fahre nach Hause und schreibe diesen Text.

 

 

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