Dr. Alexander Norman

10.9.2013 von Dr. Alexander Norman (Kommentare: 0)

Kampf der Arbeitslosigkeit 2013

credit salzburg.com

Die Überschreitung der 350.000 Personen Marke (inklusive Massnahmen und ausgesteuerte) an Arbeitslosen mag doch Anlass geben darüber nachzudenken wie es denjenigen ergehen mag, die betroffen sind und aus der Position des Europameisters für sich keinen Nutzen ziehen können

Aber mit welchen Programmen kann Minister Hundstorfer dagegen ankämpfen, ist „more oft he same„ des Rätsels Lösung und eine wirksame Beruhigungspille für die Wähler? Wer vertritt Arbeitssuchende im Parlament? Welche Entfesselung schafft die 420.000 Arbeitsplätze des Vizekanzlers? Wer evaluiert die Fortschritte der AMS Bemühungen und sonstigen Kampagnen, die als Maßnahmen jene Zahl von Jobsuchenden betreffen, für die immer mehr Steuergelder zur Verfügung gestellt werden? Wird hier an der Behebung der Ursachen gearbeitet?

 

Ein effizienter und effektiver Kampf gegen dieses Phänomen, oft als Geißel des Industriezeitalters bezeichnet, kann nur durch die Beseitigung der Ursachen gelingen. Dieser beginnt bei den Verantwortlichen und Teilnehmern der Wirtschaft, bei der Nutzung von unentdeckten Potenzialen (Talent Management), geht über gezielte Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen und führt zu längst fälligen Reformen (Reformstau), insbesondere bei arbeitsmarktsensiblen Einrichtungen. Personale Energien gehören in den Aufbau neuer Geschäftsmodelle anstatt in jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen über irgendwelche Meinungsverschiedenheiten zu verpuffen. Ebenso kontraproduktiv sind monatelange Verhandlungen und parteipolitisches Hickhack über Verteilung von Geldern zwischen Bund und Ländern.

 

Es geht um rechtzeitige Initiierung von Veränderungsprozessen (Newplacement, Change Manegement, Business Development), um die Förderung kreativer Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, um die gesellschaftliche Akzeptanz von Arbeit in den verschiedensten Formen und um die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsformen, die konsequente Verfolgung und Umsetzung eines Life -Balance Prinzips. Dafür muss die politische Verantwortung übernommen und in realistische Programme gekleidet werden an denen jeder Staatsbürger teilnehmen kann, sei es als Betroffener, sei es als Mitgestalter und/oder Mitträger. Ankündigungspolitik zu betreiben, Wahlzuckerl zu verteilen und die Verwaltung zu überbürokratisieren schafft weder Arbeitsplätze noch Vertrauen und Zuversicht. Wir ergehen uns in kabarettistisch anmutenden Auseinandersetzungen über nebensächliche Themen, lassen überforderte Parteigänger zu Entscheidungsträgern und inkompetenten Verwaltern einer veralteten Bürokratie werden.

Es bedarf einer umfassenden Generalsanierung, die Einflusssphäre von Banken und staatlichen Einrichtungen ist einzuschränken. Dazu zählt auch die Sanierung des Staatshaushaltes wie die Abgabe von Entscheidungsrechten an Brüssel (Verlängerung der Hypo Alpe Adria Sanierung). Die Verfassung anzupassen und danach auch die Verwaltung neu zu ordnen mag zwar eine fast übermenschliche Aufgabe sein, sie ist längst überfällig geworden, wenn wir das Land noch als Rechtsstaat und seine Bewohner als Souverän bezeichnen wollen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele Entscheidungen nur mehr in Brüssel getroffen werden. Diese Aufgabe ist machbar, sie ist erforderlich, wollen wir nicht eines Tages ähnlich wie Griechenland in einem Chaos von Korruption und Ungerechtigkeit aufwachen, von Verarmung und Hoffnungslosigkeit, das als ein immer noch als reich bezeichnetes Land (es ist schon fragwürdig, wie man bei dieser Überschuldung noch von reich sprechen kann!)

 

Das Paradoxe ist, dass es gerade in Krisenzeiten genug Arbeit gäbe und gibt, wir allerdings nicht vermögen aus dieser meist rechtlichen wie organisatorischen Engstirnigkeit die oft ideologisch begründeten Barrieren zu überwinden, weil wir glauben, Macht und Einfluss zu verlieren. Es beginnt bei der Definition von Arbeit, bei der längerfristig auszurichtenden Arbeitsmarktpolitik, bei einem zu reformierenden Arbeits-und Sozialrecht, das einem anderen als jenem Menschenbild folgt, das den Menschen  als verbesserte Maschine in den immer rascher werdenden Arbeitsprozess hineinpresst. Es ist unsere Aufgabe hier die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu schaffen um der nächsten und übernächsten Generation entsprechende Bedingungen für ein Leben in Würde und ohne Hypothekenbildung für die Zukunft zu gewährleisten.

 

Macht es wirklich Sinn qualifizierte spanische Diplomingenieure nach Österreich zu locken nur um eine gerade unbesetzte Position zu füllen? Würden wir von unseren Landsleuten verlangen, dass sie das Land verlassen um sich eine neue Existenz irgendwo im Osten aufzubauen? Sollen wir türkisch lernen um allenfalls in der Türkei arbeiten zu können oder nur mit bei uns lebenden und arbeitenden Türken sprechen zu können? Wie rasch können wir uns mit deren Kultur anfreunden? Wie sehr ist uns und auch den anderen die Integration ein echtes Anliegen oder geht es bloß um Wählerstimmen und Machterhalt?

 

Vielmehr sollten wir unsere Fähigkeiten und Potenziale für eine Arbeit nutzen, die vielfältig genug ist um für die unterschiedlichsten Aufgaben Anreiz und Sinn zu bieten. Arbeit als gesunde und sinnvolle existentielle Grundlage soll und kann möglichst allen angeboten werden, die dies ihrerseits als eine sinnvolle Herausforderung sehen. Dazu gehört auch Lernfähigkeit und -willigkeit bis ins Alter Neues anzunehmen. Wesentlich ist, dass wir selbst die Verantwortung dafür übernehmen, was wir tun und wie wir es tun. Wir tun es nicht nur für andere sondern immer für uns selbst. Daraus sind auch Verhaltensweisen und Haltungen abzuleiten, die sich auch für die EinstellungÄlterer anwenden lassen, soll das Gerede um Anhebung des Pensionsantrittsalters nicht nur Schall und Rauch sein und die Aktivitäten von Arbeit und Alter, die Schaffung von altersgerechten Arbeitsplätzen, Fit2work- Schulungen nicht nurScheinaktivitäten, Verschwendung von Steuermitteln und letztlich Betrug an jedem Steuerzahler und Bürger und vor allem Jobsuchenden sein, der sich aus dieser Bemühung Hoffnung macht. Hier schließt sich wiederum der Kreis zu den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik, hier geht es um Ehrlichkeit und Transparenz, um konsequentes Handeln bis hin zum Rücktritt, dem ehrliche Eingeständnis eigener Unfähigkeit. Es kann sicherlich nicht als Generalpardon und als Ausrede für alles Versagen gelten Politik als die Kunst des Machbaren zu definieren. Wann war denn der letzte Rücktritt eines Ministers in Österreich??

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