Yvonne Hacker & Regina Gregory

30.10.2013 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

Revolution² - Vom Kampf zum hingebungsvollen Einsatz für persönliche und gesellschaftliche Verbesserungen

credit kleiner Fisch Team

„Revolution ist nicht Barrikade – Revolution ist ein Geisteszustand.“
José Ortega y Gasset, spanischer Philosoph (1883 – 1955)

Ist es Revolution, wenn Sie Ihrem Vorgesetzten mitteilen, dass er Ihnen in Zukunft nicht mehr auf die Oberweite starren soll? Ist es Revolution, wenn Sie sich weigern den gesamten Haushalt alleine zu bewältigen und Ihrem Partner Aufgaben übertragen? Ist es Revolution, wenn Sie sich für die Option gesunder Mahlzeiten in Ihrer Kantine einsetzen?

3x Ja! Revolution ist ein Wort, welches leider in unserer Gesellschaft sehr negativ behaftet ist. Die bedeutendsten und bekanntesten Revolutionen in unserer Geschichte sind meist kämpferisch und blutig abgelaufen.

 

Aber was bedeutet Revolution ohne der Anhaftung unserer gesellschaftlich geprägten Assoziation?

-          Eine Verweigerung von unangenehmen, unfairen Zuständen

-          Ein Ausbrechen aus der „Sklaverei“

-          Eine Grenze zu setzen

-          Aus Liebe zu sich selbst und anderen eine Verbesserung der Lebenssituation anzustreben

 

Aha, da kommen wir der Sache schon näher.

 

Der Anlass für große Veränderungen ist immer ein intensives Gefühl

 

„Den stärksten Anlass zum Handeln bekommt der Mensch immer durch Gefühle.“

Carl von Clausewitz, preußischer General (1780-1831)

 

Die Zweischneidigkeit vieler vergangener und gegenwärtiger Revolutionen erfüllt uns, verständlicher Weise mit Unbehagen. Da haben wir einerseits die Erfolge, die einen unglaublichen Fortschritt bedeuteten, wie z.B. bei der französischen Revolution (1789-1799) Demokratieverständnis und Menschenrechte, andererseits Ausschreitungen die zu zahlreichen Verlusten von Menschenleben führten. Andererseits haben wir auch friedliche Revolutionen erlebt, wie die Protestmärsche, genannt Montagsdemonstration in der ehemaligen DDR, wo hunderttausende Bürger gemeinsam friedlich auf die Straße gingen und somit den Fall des alten Regimes und ihre Freiheit erreichen. Jeder Revolution – sei es eine persönliche (Hausarbeit nicht mehr alleine zu bewältigen) oder eine gesellschaftspolitische (Forderung von Lohnerhöhungen) – liegt eine Erkenntnis zu Grunde, die eng mit dem eigenen Selbstwert bzw. mit Selbstliebe verknüpft ist:

 

„Mir geschieht Unrecht.“ -> „Ich verdiene Besseres.“

 

Ist diese Erkenntnis erst einmal in uns gereift, gibt es ZWEI grundsätzliche Wege wie die Revolution sich entfalten wird. Und zwar, bestimmt durch dem zu Grunde liegenden Ursprungsgefühl:

 

WUT     oder     LIEBE

 

Beides sind sehr starke Ursprungsgefühle, die beide in entgegengesetzte Richtungen riesige Mengen an Gruppenenergie und -dynamik erzeugen können. Auch aus einer wutbasierenden Revolution KANN ein positives Ergebnis entstehen – meist jedoch auf eine destruktive  Weise.

 

Die Revolution² bekommt eine neue Dimension – aus Wut mach Liebe

 

„Liebe ist die einzige Revolution.“

Krishnamurti, indischer Philosoph und spiritueller Lehrer (1895 - 1986)

 

Die Revolution der Wut entsteht aus dem Gedanken:

1)    „Mir geschieht Unrecht.“ -> „Ich verdiene Besseres.“

2)    „DU tust mir das an!“ -> „Dafür hasse ich dich!“

3)    „Ich hasse mich selbst dafür, dass ich es mir so lange gefallen lies“

 

 

Die Revolution der Liebe sieht dieselbe Situation mit anderen Augen:

1)    „Mir geschieht Unrecht.“ -> „Ich verdiene Besseres.“

2)    „Ich liebe mich!“ -> „Daher lasse nicht zu, dass du mir das antust!“

3)     „Ich respektiere dich wie ich mich respektiere!“ -> „Darum setze ich dir eine Grenze!“

 

Wie man einem Kind liebevoll eine Grenze setzt, so kann man auch in alltäglichen Situationen, in denen wir übergangen, eingeschüchtert, überfordert oder respektlos behandelt werden, höflich aber bestimmt Grenzen setzen.

Wir müssen nicht der Meinung von anderen sein und können andere Meinungen dennoch tolerieren. Diese Toleranz dürfen wir auch von anderen fordern.

 

Kämpfen oder sich mit Hingabe für eine gute Sache einsetzen?

 

"Ich würde nie an einer ANTI-Kriegs-Demo teilnehmen. FÜR eine Friedensdemonstration bin ich immer zu haben.“

Mutter Theresa (1910 – 1997)

Selbst Mutter Theresa hätte also bei einer Demonstration teilgenommen mit anderen Worten für eine gute Sache „gekämpft!“

Wie das Wort Revolution, ist auch das Wort Kampf als solches sehr negativ besetzt, was vor allem auch bei dem Wort „Arbeiterkampf“, dem Aufbegehren von unterdrückten Arbeitern einen schlechten Ruf verleiht. Vielmehr sollte man es daher lieber „Das inbrünstige Einstehen für seinen gerechten Wert“ nennen.

Mit dem Wort „Kampf“, assoziieren wir ein Schlachtfeld und leider nicht, der häufig damit gemeinte  leidenschaftlichem Einsatz für eine gute Sache.

Wer mit begeistertem Engagement daran geht für die Verbesserung von Lebensverhältnissen, sein es die eigenen und/oder die von anderen Menschen, der ist im wahren Sinne ein Revolutionär.

Die Vision von Kleiner-Fisch ist es, die aktuell aus dem Ruder laufende Situation von einerseits steigender Produktivität und andererseits sinkenden Reallöhnen, was zur Reich-Arm Schere führt, von der Scherenseite der Arbeitnehmer positiv zu beeinflussen. Wenn Mindestlohnempfänger erkennen, dass ihre Arbeitsleistung mehr wert sein muss, als gerade etwas über der Armutsgrenze dahin zu schleifen, wenn Arbeitnehmern bewusst wird, wie hoch ihre jährliche Erhöhung im Sinne der Produktivität des Unternehmens ausmachen würde und dass was sie stattdessen bekommen unfair ist, wenn die Selbstliebe und der Selbstwert jener Menschen steigt und sie beginnen sich mit begeistertem Engagement für mehr Gerechtigkeit einzusetzen, dann ist das eine Revolution, die wir uns wünschen sollten. Wir möchten auf dieses Ungleichgewicht hinweisen! Wer es nicht länger hinnehmen und sich dagegen wehren möchte, dem kann man nur dazu gratulieren, dass er sich selbstbewusst und stolz (auch ein leider oft negativ behaftetes Wort) erhebt und aus Selbstliebe heraus beginnt respektvoll Grenzen zu setzen! Je mehr diese Grenze setzen um so schneller können wir hoffentlich diese Welt für uns und die nächsten Generationen Wege und Systeme finden, die uns ermöglichen unsere Ressourcen gerecht und fair unter allen Menschen zu verteilen. Eine faire Verteilung vom Reichtum schafft auch Frieden in der Welt!

 

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