Yvonne Hacker & Regina Gregory

26.2.2014 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

PARIERST du noch oder PROFILIERST du dich schon? Vom gegenseitigen Respekt in der Arbeitswelt - Teil 2

„Darfst das Leben mit Würde ertragen, nur die Kleinlichen machen es klein, Bettler können dir Bruder sagen und du kannst doch ein König sein.“

Rainer Maria Rilke

 

Wenn der „Bettler“ also vom Reichen genau so viel Respekt verdient hat, wie der Reiche vom „Bettler“, wie in >>Teil 1  bereits angesprochen, dann sind wir wieder bei der Wertigkeit angelangt und bei der gleichen Augenhöhe. Wiederholen wir nochmal, wir Menschen sind NICHT ALLE GLEICH, aber wir sind alle GLEICHWERTIG. Daher kann Respekt nicht davon abhängig sein, wie viele Geldmengen man besitzt oder vom angeborenen Status! Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Chef und Mitarbeiter, Kleinunternehmer und große Konzerne, Politiker und Otto Normalverbraucher, Arbeitender und Arbeitslose, etc... sollten einander GLEICH VIEL Respekt zollen, denn kein Mensch ist mehr wert, nur weil er z.B. ein Unternehmen gegründet hat oder reich ist. Das gilt, nebenbei bemerkt, auch für Menschen verschiedener Nationalität, religiöser Ansichten, sexueller Orientierung, etc... Nicht jeder kann damit übereinstimmen, leider, denn wenn wir uns dies zu Herzen nähmen, gäbe es dann Kriege, gäbe es Diskriminierung?

 

Liebe Chefs – was wollt Ihr wirklich?

 

Marionetten? Oder Menschen, die sich wirklich zum Wohle der Firma engagieren, auch wenn Sie ihnen ins Gesicht sagen, dass Sie ihre Ideen alles andere als gut finden? Ja, da sollte es wirklich einmal eine Umfrage geben, denn viel zu oft wollen Chefs etwas, das es gar nicht gibt. Letztendlich sind Chefs auch nur Menschen und möchten, dass ihre Ideen für gut befunden werden. Aber auch sie müssen lernen, dass manchmal die Idee des anderen (Untergebenen) vielleicht die Bessere ist. Wer gibt das schon gerne zu? :-) Denn natürlich will kein Chef offiziell eine Marionette oder einen Ja-Sager als Mitarbeiter – in seinen kühnsten Träumen sind sie alle ehrlich, aufrichtig und sagen ihm dann trotzdem genau das, was er hören will – natürlich nicht weil er der Chef ist, sondern weil seine Idee einfach die Beste ist! Tja, liebe Chefs und wenn diese Seifenblase zerplatzt, müssen Sie sich fragen: „Wie kann ich wirklich unterscheiden, ob alle meine Vorschläge tatsächlich als gut empfunden werden oder man bloß aus Angst vor Konsequenzen schön brav nickt und lächelt?“

 

KRITIK FÖRDERN!

Sitzt der Chef auf dem Thron, laufen gute Mitarbeiter gern davon.

 

Um auch im zweiten Teil nochmal Moritz Freiherr Knigge zu zitieren „Eine gute Führungskraft lässt sich etwas sagen!“ Wie schon im ersten Teil erwähnt, muss man dazu auf gleicher Augenhöhe sein und Kritik und Lob in beide Richtungen fließen lassen! Wer seine Mitarbeiter von oben herab (vom Thron) aus führt, darf sich nicht wundern, wenn „Untergebene“ mit ihrer wahren Meinung zurückhalten bzw. eigene (vielleicht bessere?) Ideen nicht vorbringen! Was für ein riesiges Potential an Kreativität und Erfolgsmöglichkeiten ihnen da verloren geht! Wir kennen Menschen, die sich nur aus einem Grund selbstständig machten, weil sie es nicht ertragen konnten, einen Vorgesetzten zu haben! Da heißt es schnell, der hat ein Autoritätsproblem, oder die kann sich nicht unterordnen... Wahrscheinlich hatten diese Leute noch keinen Vorgesetzten, der ihnen auf gleicher Höhe begegnet ist!

 

„Wen jemand lobt, dem stellt er sich gleich!“
Johann Wolfgang von Goethe

 

Drei Schritte zu mehr Respekt!

 

Was kann ich nun aber als Mitarbeiter tun, um gleichwertigen Respekt „von oben“ zu fördern?

Beginnen Sie bei sich selbst! Das ist sozusagen die „Basisausbildung“, die Ihnen vor anderen Respekt verschafft.

 

1) Respektieren Sie sich selbst!

Wenn Sie sich nicht respektieren, warum sollte es jemand anders tun? Wenn Sie sich nicht wichtig nehmen, warum sollte Sie ein anderer wichtig nehmen?

 

2) Verhalten Sie sich so, dass man Sie respektieren möchte!

Das ist nicht schwer, seien Sie zuverlässig, bemüht und höflich (höflich heißt nicht unterwürfig!) Sagen Sie ehrlich und offen Ihre Meinung und stehen Sie dazu!

 

3) Jeder verdient Respekt – auch Sie.

Machen Sie sich bewusst, dass Sie Respekt verdienen!

 

Wie respektiert man sich selbst? Da gehört in erster Linie auch dazu, sich selbst zu mögen (Siehe >>Eigenlob stinkt doch nur, damit wir nicht merken wie gut es riecht). Erkennen Sie sich selbst als gleichwertig und gleich wichtig, wie Ihr Vorgesetzter, aber auch wie Ihre Untergebenen, dann haben auch Sie ein Auftreten, welches man respektieren möchte.

 

Der 7-Stufen Notfallplan für knifflige Situationen

 

Wie könnten Sie reagieren, wenn ein Vorgesetzter, oder aber auch Mitarbeiter Sie lächerlich macht, anbrüllt, Ihre Meinung übergeht oder Ihnen anderweitig respektlos begegnet?

 

1) Lassen Sie es an sich abprallen! Bleiben Sie sachlich!

Etwas nicht persönlich zu nehmen ist zwar leichter gesagt, als getan. Realistisch gesehen ist es aber meist kein persönlicher Angriff gegen Sie. Schlechte Laune, Manieren oder Stress als Grund für respektloses Verhalten sind zwar nur Ausreden, sie als solche zu erkennen hilft aber, es sich nicht zu Herzen zu nehmen. Nur so können Sie unbefangen bleiben!

 

2) Sie sind nicht der Auslöser! Es gibt keine Ursache und keinen Grund dafür!

Seien Sie sich bewusst, dass es NIE einen Anlass für ein solches Verhalten gibt (Sie haben es also nicht verdient, dass man Sie anschreit, weil Sie einen Fehler gemacht haben). Darum ruhig aber selbstbewusst bleiben. Lächeln Sie am besten, aber so, dass Ihr Gegenüber merkt, dass Sie nicht beeindruckt oder verängstigt sind. (Grinsen hilft auch – aber Vorsicht nicht zu breit :-) )

 

3) Nennen Sie das Kind beim Namen bzw. decken Sie es auf

„Sie haben mich gerade angeschrienen wie einen Hund. So ein Verhalten ist unhöflich und unangebracht!“ oder „Ihr Ton mir gegenüber passt nicht zu jemand der ein Vorbild dieses Unternehmens ist!“ oder „Offenbar wurde ich übergangen, auch meine Meinung ist wertvoll.“ Der Ton macht die Musik – solche Äußerungen nicht trotzig oder schimpfend vorbringen, sondern ruhig und höflich!

 

4) Sagen Sie was Sie möchten (nicht was Sie nicht möchten! :-) )

z.B. „Ich verhalte mich Ihnen gegenüber immer respektvoll, ich möchte Sie bitten, sich mir gegenüber ebenso zu verhalten!“ oder „Bitte sprechen Sie ab jetzt so mit mir, wie Sie wünschen, dass man mit Ihnen spricht!“ oder „Bitte lassen Sie mich in Zukunft auch ausreden!“

 

5) Kommen Sie zum ursprünglichen, geschäftlichen Thema zurück oder verlassen Sie die Situation

z.B. „Ich bin froh, dass wir das klären konnten, um nun zum besagten Bericht zurückzukommen. Ich habe die gewünschten Änderungen wie vereinbart bis morgen fertig.“

 

6) Ziehen Sie Konsequenzen!

Wiederholen sich solche Ausbrüche gegen Sie, dann kündigen Sie eine Konsequenz an. zB. „Unter solchen Bedingungen ist diese Stelle demotivierend für mich. Sicher möchten Sie Ihre Mitarbeiter lieber motivieren und zu Höchstleistungen anspornen. So erreichen Sie leider das Gegenteil. Jeder Mensch verdient Respekt, auch ich, sonst sehe ich mich gezwungen

-        mich anderweitig umzusehen

-        den Betriebsrat einzuschalten

-        eine Beschwerde gegen Sie einzureichen

Vorsicht – nur Konsequenzen mitteilen, die sie auch gewillt sind umzusetzen. Konsequenzen sind keine Drohungen sondern mitgeteilte persönliche Entscheidungen.

 

7) Halten Sie die Konsequenzen auch ein, sonst kann man Sie erst recht nicht ernst nehmen

Sollte es aber wirklich so weit kommen, dann zeigt die Erfahrung, dass es ratsam ist, als letzte Konsequenz die Stelle zu wechseln. Wenn Sie es wirklich mit einem alteingesessenen Choleriker zu tun haben, werden Sie ihn nicht mehr ändern können. Und sollten Sie keine „Elefantenhaut“ haben, machen Sie sich nur krank.

 

Vor allem Frauen glauben oft, dass sie die Situation um jeden Preis lösen müssen, da sie sonst die Verlierer sind. Denn jede Situation hat etwas mit uns selbst zu tun und indem wir uns selbst ändern, ändern wir die anderen…

 

Diese Aussage ist nur zum Teil richtig. Sie lautet korrekt: Nur wenn wir uns selbst ändern, verändern wir unsere äußere Situation. Wenn wir aber mit einem Vorgesetztem oder Kollegen, mit dem wir eng zusammenarbeiten müssen, ganz einfach nicht auskommen und wir schon viele Wege versucht haben um Einigung zu finden, dann sind wir keine Versager, wenn wir uns selbst diese Situation nicht mehr antun, weil wir uns dafür zu wertvoll sind.

 

Wenden wir die Situation auf die gemachte Aussage an, lautet sie: Wenn wir die innere Stärke und Selbstliebe entwickeln („wenn wir uns selbst ändern“) und den Mut aufbringen dafür einzustehen, dann finden wir auch einen besseren Job, wo wir entsprechend unserer Einstellung behandelt werden („dann verändern wir die äußere Situation“)

 

Vom JA-SAGER zum „WAHR“-Sager

 

Aber auch in nicht so krassen Situationen haben wir oft Hemmungen, Höhergestellten unsere ehrliche Meinung zu sagen, speziell, wenn wir eine andere oder gegenteilige Meinung haben.

 

Halten Sie sich vor Augen, dass Chefs in Wahrheit keine Duckmäuschen möchten, sondern selbstbewusste, mitdenkende und engagierte Mitarbeiter.

 

Ein gegenteiliger bzw. anderer Vorschlag (höflich und respektvoll vorgetragen) macht Sie nicht unsympathisch, im Gegenteil, Ihr Chef kann dann aus einem noch größeren Ideenpool wählen.

 

Persönlich musste ich diese Lektion bitter lernen. In jüngeren Jahren traute auch ich mich nicht immer meine Ideen vorbringen, aus Angst vor Zurückweisung und wegen meines zu geringen Selbstwerts. Als mein Vorgesetzter daraufhin eine Kampagne, die meiner Idee sehr ähnlich war, mit einer externen Werbeagentur umsetzte, für die er viel Geld bezahlte, nahm ich mir vor, nicht mehr mit meinen Einfällen zurückzuhalten. Seien Sie nicht scheu – vielleicht ersparen bzw. bringen Sie Ihrem Unternehmen damit Geld!

 

Bedenken Sie, es geht nicht darum, Ihre Meinung auf Biegen und Brechen durchzusetzen, sondern „nur“ darum sie mitzuteilen und ihre Vorteile hervorzuheben. Die letztendliche Entscheidung darf ruhig beim Vorgesetzten bleiben. Entscheidet er sich für seine eigene Idee, sind Sie auch keine Rechenschaft schuldig, falls es nicht die gewünschten Resultate bringt. Wird Ihre Idee aufgegriffen, so profilieren Sie sich richtig und übernehmen auch die Verantwortung dafür.

 

Viel Spaß beim Profilieren! :-)

 

 

WERTSCHÄTZUNG RECHNET SICH

 

ANTEIL DES UMSATZES, DER DAVON ABHÄNGT, WIE MENSCHEN IM UNTERNEHMEN MITEINANDER UMGEHEN: 25 %

Quelle: Die Kosten von Reibungsverlusten

KPMG 2009

 

 

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