Yvonne Hacker & Regina Gregory

13.1.2014 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

Stufenlose Karriereleiter für wertgeschätzte Mitarbeiter - vom gegenseitigen Respekt in der Arbeitswelt Teil 1

credit kleiner Fisch Team

Wir möchten uns heute das Thema Respekt – und zwar gegenseitigen Respekt ansehen. Gegenseitig? Was meinen wir damit eigentlich? Zwischen wem? Zwischen Mitarbeiter und Mitarbeiter? Zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten? Wenn wir von gegenseitigem Respekt sprechen, werden wir also auch gleich mit unterschiedlichen Hierarchien konfrontiert und es stellt sich die Frage: „Müssen wir dem Chef MEHR Respekt entgegenbringen als er uns?“ oder „Müssen nur wir respektvoll sein, der Chef aber NICHT?“ Wie sehen Sie das?

 

Respekt = die Reaktion auf Macht? = „Königssyndrom“

 

Wenn es so wäre, dass Respekt nur in eine Richtung zu fließen hat, was bedeutet Respekt dann eigentlich? Heißt das dann „Angst vorm Chef zu haben“? Ist es eine Reaktion auf seine Macht oder höhere Position im Unternehmen? Wenn es so wäre, ist Respekt dann gleichzusetzen mit Unterwürfigkeit? Haben wir es dann mit mit einer Situation ähnlich die des Herrschers und seinen Untertanen zu tun?

 

Nur wer MEHR WERT ist, verdient Respekt?

 

Das Wort kommt aus dem Lateinischen: von respicere, was „zurücksehen“ heißt und somit ursprünglich von Rücksicht kommt. Respekt wird oft auch als Synonym für Höflichkeit oder Manieren verwendet, wobei diese Ausdrücke unserer Meinung nach, reine äußere Verhaltensweisen bezeichnen, wogegen mit Respekt eine innere Haltung gemeint ist. Selbst wenn man aber Respekt mit „Manieren“ gleichsetzen möchte, so will das noch lange nicht sagen, dass es etwas mit Unterwürfigkeit zu tun hat oder nur vom Mitarbeiter dem Vorgesetzten entgegen zu bringen ist. Dazu Moritz Freiherr Knigge, Betreiber der Höflichkeits- und Wertevermittlung: „Der wichtigste Wert besteht für mich darin, Respekt gegenüber jedem Menschen zu haben. Egal ob Vorstandsvorsitzender oder Obdachloser, egal ob Toilettenfrau oder Supermodel!“ Die falsche Vorstellung, dass Respekt nur jemandem gebührt, der MEHR WERT ist, als man selbst, führt in die gefühlsmäßige Sackgasse des „nicht zu Genügens“ oder des „weniger Wert Seins“.

 

Respekt in eine Richtung ist wie Kommunikation ohne Empfänger (Wer redet schon gern mit einer Wand?)

 

Viele Führungskräfte sind bei uns nur aufs „Senden“ eingestellt. Aber auch das Empfangen, also zuhören ist wichtig. Wissen Sie was Ihren Mitarbeitern wirklich wichtig ist? Was brauchen sie? Und wir reden hier nicht von den Arbeitsutensilien! Ein Beispiel von Dale Carnigale: Ein Unternehmer wollte seinen entmutigten und schlecht organisierten Vertretern neue Begeisterung und Mut einflössen. Er fragte sie gerade heraus: „Was erwartet ihr von mir?“ Während sie sprachen, notierte er alle Wünsche auf einem Plakat. Dann sagte er: „Gut in Ordnung! ALLE bekommen was sie möchten! Nun möchte ich noch wissen, was ich dafür von Ihnen erwarten kann!“ Sie antworteten ihm ohne zu zögern: „Loyalität, Ehrlichkeit, Initiative, Optimismus, Zusammenarbeit, täglich 8 Stunden unermüdlichen Einsatz und Überstunden wenn notwendig!“ Der Unternehmer berichtete Carnigale, dass der Umsatz von dem Augenblick an überraschend gestiegen sei! (Wie man Freunde gewinnt, Dale Carnigale)

 

Der WERT eines Menschen hängt NICHT von Geld oder Hierarchien ab!

 

In unserer heutigen Welt in der alles bewertet und aufgewertet werden muss, denken wir bei dem Wort WERT hauptsächlich an Geld- und Vermögenswerte. Der Wert eines Menschen wird nicht selten an seinem Vermögen, seinem Einkommen, seinen Machtverhältnissen und seinem „Stand“ gemessen. Wenn man da nicht zu den „Oberen“ gehört, dann wird man, was nicht minder bedauernswert ist, nur nach seiner Arbeitsleistung bewertet, was im Berufsleben zwar eine Wertigkeit hat, aber nicht DIE einzige sein darf! Unsere Leistung bestimmt nämlich nicht unseren wahren Wert! Wenn wir nun wissen, was NICHT unseren Wert bestimmt, was tut es dann? Fragen wir Albert Einstein. Er sah die Sache auf doch recht spirituelle Weise: "Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist." (um 1930)  

 

Erst unser Herz gibt den Fügungen des Schicksals ihren Wert.  François VI. Duc de La Rochefoucauld (1613 - 1680), franz. Offizier, Diplomat und Schriftsteller

 

Was einer wirklich besitzt ist das, was in ihm steckt. Was um ihn herum ist, sollte nicht von Bedeutung sein. Oscar Wilde (1854 - 1900), irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor

 

Sieh an, was die klugen Köpfe unserer Geschichte meinen. Wir, und somit auch SIE dürfen getrost davon ausgehen, dass wir arm sein können oder weniger gebildet und deswegen nicht weniger wert sind, als ein Reicher, oder ein Titelträger!

 

Wertschätzung oft nur als leere Worte

 

Auf vielen, eigentlich fast allen Firmenwebsites, gibt es die Rubrik Mitarbeiter – dort finden wir Aussagen wie „Unser größtes Kapital sind unsere engagierten und hoch qualifizierten Mitarbeiter“ oder „Unsere Mitarbeiter leisten den entscheidenden Beitrag zum Erfolg unseres Unternehmens, deswegen fordern und fördern wir sie.“ Klingt doch gut oder? Leider gibt es aber Fälle, die man nur erkennt, wenn man die Chance hat mit einem Mitarbeiter persönlich zu sprechen, in denen es nur Floskeln sind und sich zumindest nicht alle Mitarbeiter 100% wertgeschätzt fühlen. Denn eigentlich dürfte es in solchen Unternehmen nicht vorkommen, dass ein Angestellter sagt: „Mein Chef ist zwar nett, aber er glaubt er ist etwas Besseres als ich.“ oder „Mein Vorgesetzter kommandiert mich nur herum.“ Oder auch gehört vom Kleiner-Fisch Team: „Ich kann alles von meinem Boss haben, wenn ich nur demütig das Köpfchen neige. Er braucht das Gefühl, dass ich zuerst weiß, ich bin seinen Launen völlig ausgeliefert, erst dann wird meiner Bitte stattgeben.“

 

FÄLLT die Hierarchie verschwinden auch die leeren Worte – der Respekt aber steigt!

 

Die meisten Menschen kündigen nicht wegen einem Unternehmen, sondern wegen einem Vorgesetzten. Wenn es also die Philosophie einer Firma ist, seine Mitarbeiter wertzuschätzen, dann muss dieser Respekt FÜR JEDEN gelten. Für die Empfangsdame, für die Putzfrau, für den Abteilungsleiter bis zur Geschäftsführung. GEGENSEITIG!!! Solange Ihr Organigramm als eine reine Rangordnung zu verstehen ist, solange Ihre Mitarbeiter eine oder mehrere Stufen werte-technisch unter Ihnen stehen, so lange Ihre Respekt-Bekundungen von „oben herab“ gemacht werden, solange bleiben sie leere Worte!

 

Die gleiche Augenhöhe machts...

 

Manche Firmenchefs versuchen diese Offenheit zu leben, in dem sie das Du-Wort in der Firma einführen – ein angebotenes Du-Wort vom „Höher-Gestellten“, bedeutet aber noch lange nicht, dass er/sie mir wirklich auf gleicher Augenhöhe gegenübersteht. Auf gleicher Augenhöhe zu sein, bedeutet nicht, dass wir jetzt alle Kumpels sind, sondern es zeigt wahre Wertschätzung! Es bedeutet ein unbefangenes Miteinander, in dem neue Ideen sich entfalten können und niemand fürchten muss, nicht zu genügen. Es bedeutet weiterhin dass auch konstruktive Kritik und Worte des Lobs in beide Richtungen fließen dürfen! „Aber ich habe Angst, dass meine Mitarbeiter mich dann nicht mehr respektieren“, sagte ein Kleinunternehmer in unserem Freundeskreis. Wir sprachen dann mit ihm von der goldenen Regel: „Behandle andere wie du selbst behandelt werden möchtest!“. Wir fragten unseren Freund: „Frage dich mal selbst, möchtest du selbst etwa von oben herab behandelt werden? Und würdest du einen Vorgesetzten oder Geschäftsführer weniger respektieren, wenn er dich als gleichwertig respektiert?“

 

Respekt drückt Achtung oder Wertschätzung einem Menschen gegenüber aus!

 

Die Augen unseres Freundes blitzen auf und als er darüber nachdachte, meinte er: „Im Gegenteil. Ein mir übergeordneter Mensch, der mich wie seinesgleichen respektiert – WOW... Mein Respekt dem Menschen gegenüber würde nicht sinken! Er würde ins unermessliche steigen!“

Was auch immer Ihre Begründung (Ausrede) ist: Weil ich besser bin als der andere, weil ich reicher bin als der andere, weil ich mehr weiß als der andere, weil ich König bin, weil ich der Chef bin...

 

Den Respekt, den Sie von anderen, egal aus welchem Grund, VERLANGEN bzw. ERWARTEN

….......................................................................wird Ihnen nur heuchlerisch gegeben!

 

Den Respekt, den Sie, egal in welcher Position, anderen aus vollem Herzen GEBEN

….......................................................................kehrt 1000fach zu Ihnen zurück!

 

Wir hoffen wir haben etwas zum Nachdenken angeregt. Im zweiten Teil unseres Themas „Gegenseitiger Respekt“ befassen wir uns damit wie Sie von der Marionette zum selbstbestimmten Mitarbeiter werden und damit was Chefs wirklich wollen....

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