Yvonne Hacker & Regina Gregory

03.7.2014 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

Mit der „Jugendgarantie“ gegen Arbeitslosigkeit?-Gastbeitrag von Joachim Fasching

@ credit Kleiner Fisch

Das sozialistisch geprägte Modell der Jugendgarantie klingt auf den ersten Blick sehr fein: der Staat hilft allen Jugendlichen, rasch einen Arbeitsplatz oder einen Ausbildungsplatz zu finden! Doch beim genaueren Hinsehen entpuppt sich dieser vor allem im EU-Wahlkampf eingesetzte Begriff eher als Enttäuschung.

Es sei unbestritten, dass gegen Jugendarbeitslosigkeit (speziell in den südlichen EU-Ländern, wo teilweise jeder Zweite ohne regelmäßiges Einkommen auskommen muss, die langfristigen Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft sind fatal) etwas unternommen werden muss, aber das angebotene Modell hat einige Schönheitsfehler. So deckt diese Garantie nur jene Personen ab, die bereits erwerbstätig waren (so fallen etwa Schulabbrecher aus dem Raster heraus). Außerdem möchte man nur bis zum Alter von 25 Jahren unterstützen (ich bin selbst gerade mitten im Studium, bis ich fertig bin, könnte ich diese Jugendgarantie nicht mehr in Anspruch nehmen) – damit wird aus meiner Sicht das Problem nur verschleppt (dann ist halt in Zukunft die Altersgruppe 26-34 stärker betroffen) und die Statistik aufgepeppt. Wie unterstützt man denn junge Mütter nach der Karenzzeit, arbeitslose Langzeitstudenten oder Immigranten? Es sollte gerade in einem Sozialstaat wie Österreich eine Lösung gefunden werden, die allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine würdige Absicherung gegen Armut bietet.

So wie Sozialminister Rudolf Hundstorfer das Modell am Reißbrett zeichnet, „übersieht“ er elegant ein zentrales Anxiom: der Arbeitsmarkt ist nicht willkürlich ausdehnbar. Wenn man Jugendlichen bis 25 eine Jobgarantie gibt, müssen erst die entsprechenden Arbeitsplätze geschaffen werden. Wie bringe ich speziell handwerkliche Betriebe und Einzelhandelsunternehmen (wo auch Lehren angeboten werden) in Österreich dazu, mehr Leute zu beschäftigen? Da müssen erst steuerliche Anreize oder andere Möglichkeiten angeboten werden, bevor sich die Betriebe darauf einlassen. Und was passiert dann eigentlich mit den älteren Arbeitnehmern? Derselbe Sozialminister wollte doch das Pensionsantrittsalter hinaufschrauben (das Realantrittsalter wird in den kommenden Jahren durch ein wirtschaftspolitisches Paradoxon allerdings sinken)? Wie unterstützt man ältere Arbeitnehmer, tatsächlich bis 62 oder 65 im Betrieb zu bleiben? Mir fehlt am vorgestellten Konzept ein wenig die globale Perspektive, die auch über den Tellerrand hinausblickt und die Problemfelder aller Erwerbstätigen berücksichtigt.

Keine Firma der Welt sucht lustlose Beschäftigte, die in der jeweiligen Position bloß die Zeit bis zum Feierabend absitzt und nichts dazulernen möchte – gewissermaßen das Negativ-Szenario der Jobgarantie. Durch diese Form der Jobgarantie kann der Arbeitgeber nicht einmal drohen: „Streng dich an, sonst fliegst du raus!“ – die oder der desinteressierte Jugendliche hätte dann halt morgen einen anderen Job, und das sogar staatlich abgesichert. Wo bleibt der Anreiz, sich individuell zu verbessern?

Dr. Markus Hengstschläger (Genetiker, forscht an der Medizinischen Universität Wien) gibt den Jugendlichen mit auf den Weg, nicht zwangsläufig nach dem zu streben, was die Eltern für gut befinden – es steht jedem frei, seinen persönlichen Interessen und Begabungen nachzugehen. Der Arbeitsmarkt der Zukunft wartet auf eigenständig denkende und flexible Personen, für die „Kreativität“ und „Empathie“ keine Fremdworte sind. Bei meiner Wahl der Studienrichtung war unter anderem die damalige Justizministerin Beatrix Karl richtungsweisend, da sie mir gesagt hat, welche Qualifikationen zukünftig besonders gefragt sind (Kombination aus Wirtschaftsrecht & IT).

Mein Tipp an die Jugendlichen: orientiert euch an dem, wonach der für euch passende Sektor im Arbeitsmarkt jetzt gerade oder in naher Zukunft sucht und macht euch dahingehend für euren zukünftigen Arbeitgeber interessant! Ich persönlich vertrete stark die Auffassung, dass „jeder seines eigenen Glückes Schmied“ ist – wenn ich neugierig & mit offenen Augen durch die Welt gehe und mich bemühe, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen, dürfte nichts mehr schief gehen!

Für weiterführende Informationen möchte ich auf die Homepage des Arbeits- und Sozialministeriums und auf die Presse-Karrierenews verweisen, wo der Genetiker Dr. Markus Hengstschläger Tipps zur persönlichen Einstellung gegenüber der eigenen Karriere gibt.

Über den Autor: 

Joachim Fasching (21) studiert aktuell im sechsten Semester Recht & Wirtschaft (Bachelor) in Salzburg, daneben engagiert er sich in den Bereichen Coaching/Unternehmensberatung, Literatur und Sport.

Möglichkeit zur Kontaktaufnahme: info@creatinos.com

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