Yvonne Hacker & Regina Gregory

01.4.2014 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

Ausbildner tragen Verantwortung für die nächste Generation

credit kleiner Fisch Team

 

Hedy Priesch, seit Jahrzehnten erfolgreiche Unternehmerin aus Ennsdorf im Gespräch mit Kleiner-Fisch, philosophiert über den Beruf Frisör, über die soziale Verantwortung als Unternehmer und am Beispiel ihres Salons über Ausbildungsmöglichkeiten und Verdienstmöglichkeiten.

 

„Junge Leute brauchen einen guten Verdienst, wie sollen sie sich sonst etwas aufbauen!“

 

Frau Priesch erzählt uns auf die Frage, warum der Lehrberuf Frisör in den letzten Jahrzehnten an Popularität verloren hat, dass Gehalt und Arbeitszeiten oft abschrecken, und auch die Aufstiegschancen wenig ausgereift sind.

 

Aus diesem Grund sollte es einen gemeinsam erarbeiteten Ausbildungsplan geben, wenn ein junger Mensch sich heute für eine Frisörlehre entscheidet, damit er von vorne herein weiß, wo er überhaupt hinkommen kann. Man kann nämlich die Frisörlehre genauso gut mit einer Matura beenden und in späterer Folge die Meisterprüfung machen, die immer noch das klassische Modell darstellt, mit dem die Position eines Salonleiters oder eben Geschäftsführers im eigenen Salon angestrebt werden kann.

 

In ihrem eigenen Salon ist das Ausbildungsprogramm der Unternehmerin ein persönliches Anliegen. Sie selbst bezeichnet sich als Perfektionistin und es liegt ihr daran, den jungen Leuten einfach etwas mehr mitzugeben!

 

Der Chef als Teil des Erziehungsapparats

 

Ganz klar sieht Frau Priesch sich hier nicht nur einfach in der Rolle des Chefs und Ausbildners, sondern man muss ihrer Meinung nach schon auch einen Erziehungsteil mitübernehmen. Für sie spielt die Dreiecksbeziehung Chef, Lehrling und Eltern die entscheidende Rolle am Erfolg einer Ausbildung. Ein gemeinsam erarbeitetes Konzept hilft auch in den schwierigen Phasen, die es in einer Pubertät auch schon mal geben kann. Hier ist es wichtig, mit seinem Lehrling und dessen Familie einen gemeinsamen Konsens zu finden, um es zu schaffen, einen vertrauensvollen Zugang zu finden und ihn auf dieser Ebene zu motivieren können, dass er das Gefühl bekommt „Ich kann es schaffen und traue mich, jetzt den nächsten Schritt zu setzen!“

 

Für Frau Priesch ist das Thema Ausbildung besonders jetzt vorrangig geworden. „Im September“ so unsere Interviewpartnerin „eröffne ich meinen neuen, um ein vielfaches vergrößerten Salon. Da ist es mir wichtig, dass ich mehr junge Leute anlocke, die motiviert sind! Deswegen möchte ich auch Anreize schaffen, um mich mit meinem Salon auch klar als gute Ausbildungsstätte zu positionieren.“

 

Wichtig ist es ihr vor allem, dass die Ausbildung auch wirklich so ernst genommen wird, wie auch sie es tut, auch wenn die Ausgebildeten nach Ende der Lehre vielleicht nicht bei ihr bleiben können. So ist es doch wesentlich für die Saloninhaberin, dass sie ihnen einen guten Grundstock mitgibt. Das hat schon bei ihrem letzten Lehrmädchen gut geklappt, da hatte man schon im 2. Lehrjahr das Gefühl, sie ist ausgelernt. Nach der mit gutem Erfolg bestandenen Prüfung hatte sie sich für drei Frisörjobs beworben und sie hätte überall anfangen können!

 

Das Grundprinzip eines Unternehmers sollte es sein, dass man mit seinem Namen nicht nur Verantwortung übernimmt, sondern man auch dafür bürgt, dass ein junger Mensch die Chance bekommt, danach weitermachen zu können! Das trägt dieser dann auch gerne in die Welt hinaus, damit auch andere erfahren „Da lernt man noch was!“

 

„Auszubildende dürfen nicht als billige Arbeitskräfte gesehen werden, wir haben eine soziale Verantwortung für die nächste Generation!“

 

Auf die Frage vom Kleiner-Fisch Team, warum es leider immer noch schwarze Schafe gibt, die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte ausnutzen, erfahren wir von Frau Priesch, dass es bei einer ihrer Mitarbeiterinnen ähnlich abgelaufen ist, wobei sie hier betonen möchte, dass man nicht immer dem Unternehmer dafür Schuld geben kann, dass Lehrlinge manchmal nicht mehr gut heranwachsen, weil einfach auf BEIDEN Seiten Fehler gemacht werden.

 

„Besagte Mitarbeiterin ist damals nach dem Konkurs ihrer Chefin in ein Loch gefallen,“ schildert die Geschäftsführerin, „in diesem Betrieb sind die Ziele, die normal auf dem Lehrplan stehen sollten, einfach nicht erreicht worden. Mir war bewusst, dass sie nie und nimmer das leistet, was sie im 3. Lehrjahr hätte leisten müssen, damit ich sie nehmen kann. Trotzdem habe ich sie genommen, entscheidend dabei waren ihre Person und ihre Einstellung. Ihr größter Pluspunkt war ihr Wille und ihre Motivation. Die Entscheidung, sie ins Team zu nehmen, stellte sich als richtig heraus – sie ist heute meine beste Kraft.

 

Der Weg dahin war allerdings nicht leicht, wie Frau Priesch beschreibt, denn es mussten fast drei ganze Jahre aufgeholt werden, da der Grundstock nicht gefestigt war. Die Mitarbeiterin ist damals diesen Weg zusammen mit ihrer neuen Ausbildnerin gegangen, hat sich motivieren lassen und zeigte Dankbarkeit für die ihr dargebotene zweite Chance. Heute sind die beiden ein eingespieltes Team und blicken mit Stolz zurück auf das, was sie gemeinsam erreicht haben.

 

Nicht jeder hält dem steigenden Druck stand!

 

Ein zweites Problem das sich laut der Saloninhaberin noch herauskristallisiert, ist die Tatsache, dass junge Menschen heute oft länger brauchen um „erwachsen zu werden“. Der steigende Druck unserer heutigen Gesellschaft, bestehen zu müssen, kreiert gerade auch in der jungen Generation eine steigende Unsicherheit.

 

Dazu kommt, dass die vor 3-4 Jahren noch höheren Förderungsgelder auch oft ausgenutzt wurden, nach dem Motto „Nehmen wir ruhig mehr Lehrlinge, denn pro Lehrling bekommen wir ja soundso viel ..:“  Dann war es so, dass der beste Lehrling „gesiegt hat“, während der, der vielleicht länger gebraucht hätte, auf der Strecke blieb. Das wiederum führte zu zwei weiteren Schwierigkeiten. Erstens wurde der Markt mit „nicht fertigen“ Fachkräften durchwässert, was wiederum viele Chefs dazu bewog, keine Jungfrisörinnen mehr einzustellen. Zweitens wurden die jungen Menschen der Chance beraubt, sich genügend Reife und Fähigkeiten anzueignen, denn es sagt auch überhaupt nichts über die Qualität eines Menschen aus, wie lange er braucht, um seinen Weg zu finden!

 

Frau Priesch als Unternehmerin versteht es hier natürlich, wenn Unternehmer frisch ausgelernte Frisörinnen nur ungern einstellen. Wenn der Grundstock noch nicht wirklich vorhanden ist, dann muss diese Kraft trotzdem 40h beschäftigt werden und voll bezahlt werden. Wenn sie aber den Umsatz nicht bringen kann, gefährdet sie somit die Existenz des Unternehmens, oder schmälert zumindest den möglichen Gewinn, darunter leidet dann das ganze Team.

 

Hier müsste auch, ihrer Meinung nach, mit der Wirtschaftskammer mehr zusammengearbeitet werden, um Unternehmer in so einer Situation zu unterstützen, damit diese mehr Willen zeigen, so einem Menschen eine Chance zu geben, „denn ich persönlich würd‘s wieder machen!“

 

Um zusätzlich an der Ursachenbehebung dieses Problems anzusetzen, sollten ausbildende Unternehmer erst dann eine Ausbildner-Förderung bekommen, wenn das Ausbildungsziel (Berufsschule + erlernter Grundstock im Betrieb) voll erreicht wurde, und nicht nur „einfach so“.

 

„Wenn das Unternehmen gut läuft, warum soll das nicht auch den Mitarbeitern zugute kommen!“

 

Wir befragten die Geschäftsfrau warum es ihr wichtig ist, über Kollektivvertrag zu bezahlen und erfahren, dass es für sie ein Grundsatz ist, wenn sie mit ihren Mitarbeitern zufrieden ist. Hier spielt nicht nur der Umsatz, den der Mitarbeiter macht, eine Rolle (natürlich auch), aber hauptsächlich geht es ihr auch hier wieder um den Menschen. Ihrer Meinung nach muss man davon abkommen, immer nur daran zu denken, ob der Mitarbeiter sich schon voll durchrechnet, es muss darauf ankommen, wie bemüht und verlässlich ist ein Mitarbeiter. Verbreitet er/sie in meinem Unternehmen und meinen Kunden gegenüber ein positives Umfeld?

 

„Ich nehme auch an, dass 90% der Unternehmer über Kollektivvertrag zahlen, und ich mach’s auch!“ erläutert Frau Priesch „Man muss auch ganz ehrlich sagen, mehr Bezahlung motiviert einfach und es muss auch ein Anreiz da sein!“

 

Seit letztem Jahr hat die Powerfrau auch eine Erfolgsprämie eingeführt, das hat auch die Mitarbeiterin betroffen, die mit ihr zusammen 3 Lehrjahre „nachgeholt“ hat. „Sie ist in allen Bereichen und mir gegenüber immer loyal, sehr fair und hat immer ein Lächeln aufgesetzt. Drückeberger-Geschichten gibt es bei ihr nicht. So etwas muss heutzutage honoriert werden, denn es ist nicht mehr selbstverständlich!“

 

Bekommen haben die Prämie aber (in angepasster Höhe) alle Mitarbeiter. „Das war mir schon wichtig und es gab auch persönliche Geschenke und schätzende Worte als Dankeschön von mir!“

 

Was bedeutet Erfolg für Sie?

 

Darauf bekommen wir eine prompte Antwort von Frau Priesch: „Erfolg ist es, ständig an sich selbst zu arbeiten, denn es ist nicht selbstverständlich, dass der Kunde kommt!“

 

Gut zuhören und Anregungen umsetzen zu können, gehört dazu und eine große Portion an Leidenschaft. „Und wenn man es in guten wie in schlechten Tagen schafft, in der Mitte zu bleiben, dann hat man schon gewonnen!“ beendet die Unternehmerin ihr persönliches Erfolgsrezept.

 

Wir danken Frau Priesch für das aufschlussreiche Gespräch und wünschen ihr alles Gute für ihr neues Projekt. Wer an einer Ausbildungsstelle oder einem Arbeitsplatz in ihrem Unternehmen interessiert ist, meldet sich bitte unter: office@beautyandhair.at

 

Foto: Frau Priesch (Links im Bild) mit ihrem Team.

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