Yvonne Hacker & Regina Gregory

11.7.2013 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

„Jeder kann heutzutage froh sein, wenn er überhaupt einen Job hat“ – wirklich?

Bildquelle & Artwork: www.telos-training.com

Das Kleiner-Fisch-Team hat es sich zum Ziel gesetzt euch Mut zu machen und euch euren wahren Wert zu zeigen.

 

Leider haben wir gemerkt, dass die Angst vor Jobverlust so tief sitzt, das der eigene Wert nicht mehr zählt. Gerade jene Menschen, die gerade mal so von ihrem Lohn leben können, die Niedriglohnempfänger, gerade jene haben am meisten Angst mehr zu fordern.

 

Ihre Angst ist natürlich begründet, wenn sie ihren Job verlieren, haben sie noch weniger zum Überleben, und gerade im Niedriglohnsektor, wo teils auch um ungelernte Arbeit geht, gibt es genug Willige, die sofort bereit sind, einen zu ersetzen.

 

Andererseits ist dies genau die Situation, wo man uns haben will! VERWUNDBAR ist man auch AUSBEUTBAR!

 

Dazu konnte man schon vor 2 Jahren in den Medien nachlesen: Wie deutsche Unternehmen die Jobangst schüren (Quelle: Focus online). Dort heißt es im Detail: Die Unternehmen wollen sich nicht binden und in der Krise möglichst flexibel bleiben.“ Befristet Beschäftigte bekämen die Betriebe schneller wieder los.

 

Auch in den Nachrichten (Quelle: OÖ Nachrichten vom 5. September 2012) finden wir zu Jobangst folgende Worte:

„Dieses große Zögern vor einem Jobwechsel habe vor allem mit den unsicheren Konjunkturaussichten zu tun. „Die Krise von 2009 hat die Arbeitnehmer gelehrt: Wer als Letzter gekommen ist, muss als Erster wieder gehen“, sagt Irma Brazda, Büroleiterin von Iventa in Linz.“

 

Wir, die kleinen Fische, sind die Mehrheit und wenn wir, die Masse uns entscheiden umzudenken, können wir gemeinsam viel erreichen!

 

Heute möchten wir gerne ein wenig die Hintergründe für diese Ängste beleuchten. Eine Aussage mit der wir des öfteren konfrontiert sehen, die diese Angst sehr gut widerspiegelt ist die folgende:

 

„Ich glaube nicht, dass man in der momentanen Wirtschaftssituation für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen sollte. Schließlich muss man in Zeiten wie diesen froh sein, wenn man überhaupt Arbeit hat“.

 

Aber ist das wirklich so? Ist es gerade „heutzutage“ so? Sollen wir wirklich „bessere Zeiten“ abwarten um höhere Löhne zu verlangen?

 

Leider ist es so, dass selbst eine Erwerbstätigkeit nicht vor der Armut(sgefährdung) schützt! Wussten Sie, dass bereits 2008 knapp 50% der Armutsgefährdeten in Österreich im erwerbsfähigen Alter (20-64) zugleich erwerbstätig waren (zwei Drittel davon im Rahmen einer Vollzeitbeschäftigung)??
(Quelle: www.demokratiezentrum.org)

 

Führt man sich diese Zahl vor Augen, so fragt man sich schon ob diese Menschen wahrhaftig froh sind, dass sie überhaupt Arbeit haben oder ob sie nicht froher wären, sie könnten mit ihrer ehrlichen Arbeit das Leben und das ihrer Kinder finanzieren. Was uns unweigerlich dahin zurückführt, dass es sich lohnt, für die Erhöhung der Mindestlöhne zu kämpfen!


Sehen wir uns nun aber die Aussage „heutzutage muss man froh sein, dass man überhaupt eine Arbeit hat“. noch etwas näher an. Dahinter steckt wie wir schon erkannt haben, die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren und keinen mehr zu finden. Eine Angst, die vermehrt auftritt, wenn die Wirtschaftslage stagniert, Arbeitsplatzangebote rar sind und die Arbeitslosenzahlen hoch sind.

 

Dies trifft somit tatsächlich auf „heutzutage“ zu. Schauen wir uns nun aber kurz im Zeitraffer an, zu welcher Zeit in Österreich in den letzten 100 Jahren, diese Aussage genauso zugetroffen hätte:

 

1910er - 1920er Jahre:

„Mit dem Auseinanderbrechen der Monarchie – vor allem auch als Wirtschaftsraum – ging ein beträchtlicher Anstieg der Arbeitslosen einher. Besonders hart war es im ersten Halbjahr 1919.“

„Nach einem kurzfristigen Rückgang der Arbeitslosigkeit ließ die erste große Wirtschaftsrezession die Arbeitslosenzahlen ab 1922 erneut in rasantem Tempo in die Höhe schnellen.“

(Quelle: www.demokratiezentrum.org)

 

1930er - 50er Jahre:

„Eine drastische Zuspitzung von Arbeitsmarktproblemen war die Folge der Wirtschaftskrise, teils auch ausbleibender politischer Maßnahmen. 1932 waren bereits 20% der Arbeitnehmer/Innen erwerbslos, Tendenz steigend auf 25% um 1934. Also jeder 4. war arbeitslos, besonders betroffen waren vor allem auch Jugendliche!“

(Quelle: www.demokratiezentrum.org)

 

Die Arbeitslosenzahlen sanken erst in den Vorkriegsjahren – wir alle wissen warum: Aufrüstung! Auch in den Nachkriegsjahren war sie gering, die Industrie und Bauwirtschaft boomte – wieder wissen wir warum: Wiederaufbau.

 

70er Jahre:

„Nach der sprunghaften Erhöhung der Erdölpreise im Jahr 1973 ging die Ära der Vollbeschäftigung in vielen westlichen Ländern bereits Mitte der 70er Jahre zu Ende. Durch politische Intervention war der Anstieg der Arbeitslosen in Österreich etwas vermindert worden.“

(Quelle: www.demokratiezentrum.org)

 

80er Jahre bis heute:

„Ab 1982/83 im Gefolge der zweiten Ölkrise verschlechterte sich die internationale Lage. In Österreich führte es zu einem substantiellen Anstieg der Arbeitslosigkeit.“ „Ab Mitte der 80er Jahre trat ein Phänomen auf, genannt Massenarbeitslosigkeit, das auch über den Konjunkturzyklus hinweg erhalten bleibt.“

 

„Bis zum Jahr 2000 stieg die Arbeitslosenrate stetig. 2000 erfolgte eine leichte Reduktion, doch die war nur von kurzer Dauer. 2005 erreichten wir einen Höchststand von 250.000* Arbeitslosen.“

(Quelle: www.demokratiezentrum.org)

 

„Danach erholte sich der Arbeitsmarkt kurz. Der Anstieg der Zahl der Arbeitslosen von 2008 auf 2009 auf 204.000* Arbeitslose war von der schlechteren Wirtschaftslage gekennzeichnet.

(Quelle: Statistik Austria)

 

Heute:

Mehr als 300.000* Menschen sind in Österreich ohne Job, in den Eurostaaten beläuft sich die Zahl auf über 17 Millionen.

(Quelle: der Standard, Juni 2012)

 

*) die 3 verschiedenen Quellen haben die Zahlen wahrscheinlich verschieden berechnet (z.B. inkl./excl. Stifungsteilnehmer).

 

So gesehen sind die Entwicklungen am Arbeitsmarkt tatsächlich nicht sehr positiv. Aber wie wir sehen können, waren sie das in den letzten 100 Jahren nicht sehr oft.

 

Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf, sollen wir wirklich auf „bessere Zeiten“ warten?

 

Wir wollen aufzeigen, dass die Menschen 1919 wohl auch sagten „Man muss froh sein, dass man überhaupt irgendeinen Job hat!“, dasselbe sagten sich die Österreicher in den 30er Jahren, dasselbe sagte man sich in den Nachkriegszeiten, selbst wenn es genügend Jobs gab, die Bevölkerung war trotzdem arm und musste mehr als nur hart arbeiten um zu überleben.

 

Auch in den 70er und 80er Jahren fürchtete man sich seinen Job zu verlieren.

Es gab also kaum Zeiten in den letzten 100 Jahren, wo die Befürchtung aus unserer Überschrift, nicht zutraf!!

 

Fazit: Die Angst vor Jobverlust gibt’s schon Jahrzehnte! Und trotz all dem haben es die Generationen vor uns geschafft, die  ARBEITSBEDINGUNGEN ZU VERBESSERN!!!

 

Die Gewerkschaften haben uns dabei geholfen, aber wir, die „kleinen Fische“ standen hinter den Verhandlungen, indem wir für unsere Lebensqualität eingestanden sind, mit Streiks.

 

Ein Beispiel dazu, erst 1959 wurde eine Senkung der Arbeitszeit von 48 auf 45 Stunden pro Woche erreicht und 1965 die dritte Urlaubswoche eingeführt.

 

Wie man sieht sind unsere Probleme nicht neu!

 

Jugendarbeitslosigkeit – ein Phänomen der Jetztzeit?

Nun, das gab es schon in den 30er Jahren, selbst wenn die Ursache dafür damals eine andere gewesen sein mag.

 

Uni-Absolventen finden trotz Ausbildung keinen Job? So ist das eben heutzutage?

Dann trifft wohl folgende Aussage voll zu: „Heute studiert jeder zweite an der Uni für sein späteres Hobby, die Arbeitslosigkeit!“

Dieses Zitat stammt aus den 40er Jahren, von einem deutschen Aphoristiker, Elmar Kupke.

 

Aber was machen wir dagegen?

 

Glauben Sie nicht, dass es an der Zeit ist, das wir alle - jeder Mensch es verdient hat, in einem angemessenen Verhältnis von Arbeit und Freitzeit (work-life-balance) zu leben, unter wertschätzenden Bedingungen zu arbeiten mit einem Lohn, der uns nicht an die Armutsgrenze drängt?

 

Soll unser Lohn nur gerade zum „Überleben“ reichen, oder vielmehr soweit, dass jeder einen ordentlichen Lebensstandard verwirklichen kann?

 

Solange wir uns aber mit dem „kleinen Brocken“, den man uns hinwirft, zufrieden geben und uns auch noch bedanken dafür „dass wir überhaupt einen Job machen dürfen“, egal unter welchen Bedingungen, solange werden die, denen es so gefällt wie es ist, auch nichts daran ändern. Eigentlich logisch!

 

Solang der Großteil der kleinen Fische fest damit beschäftigt ist im Hamsterrad zu strampeln, für die Gewinne der Superreichen, solang haben die kleinen Fische auch gar keine Zeit sich darüber zu wundern, weil der Kampf ums Überleben einen vorantreibt… im Hamsterrad.

 

Und das ist der Grund, warum für uns, dem Kleinen-Fisch Team, dieses Argument „sei doch froh dass du überhaupt einen Job hast“ keine Gültigkeit besitzt.

 

Wir wünschen uns ein Zusammenhalten und gemeinsames Einräumen von Zeiten, in denen wir von dem Hamsterrad aufsehen und beginnen nachzudenken.

 

Es wird Zeit, dass wir zu verstehen lernen, dass WIR – DIE KLEINEN FISCHE – die MEHRHEIT SIND! Erst wenn wir GEMEINSAM aus dem Hamsterrad ausbrechen, wird man auch in höheren Kreisen rekapitulieren und einsehen müssen, dass man die kleinen Fische nicht mehr bis aufs Existenzminimum ausquetschen kann.

 

Letztendlich liegt es NUR AN UNS SELBST! Gemeinsam können wir Veränderungen bewirken (Als großer Fisch – siehe unser Logo)

Und das wissen die auch! Drum halten sie uns ja an der kurzen Leine.

Und die kurze Leine hat einen Namen: „Sei froh, dass du heutzutage überhaupt einen Job hast!“.

 

Frohes Nachsinnen wünscht

 

das Kleiner-Fisch Team

 

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