Yvonne Hacker & Regina Gregory

04.4.2013 von Regina Gregory & Yvonne Hacker (Kommentare: 0)

WIN WIN für Arbeitgeber und Arbeitnehmer funktioniert! Kleiner Fisch und Schindlerhof zeigen wie's geht!

Wie Wunschgehälter, Wertschätzung und Förderung zu emotionaler Bindung ans Unternehmen und Engagement wird und umgekehrt!

 

Im Schindlerhof in Nürnberg, zeigt uns Geschäftsführer Klaus Kobjoll wie er diese Strategie für sich zum Gewinnfaktor machte. Das Kleiner-Fisch Team erfuhr im Gespräch mit Herrn Kobjoll, dass er die Wunschgehalt-Politik bereits seit Eröffnung des Schindlerhofs 1984 praktiziert. Dazu gekommen ist es als der frischgebackene Geschäftsführer eine Jobanzeige für eine dringend benötigte Führungskraft, mit einem Anfangsgehalt von damals DM 50.000,-- schalten wollte. Als der Redakteur ihn darauf aufmerksam machte, dass es nicht erlaubt war, die Gehälter numerisch anzugeben, entschloss sich Kobjoll spontan und meinte „Gut dann schreiben Sie, wir zahlen Ihr Wunschgehalt!“

 

In den fast 30 Jahren Jahren, die der Schindlerhof bereits Erfahrung im Bezahlen der Wunschgehälter hat, erklärte Kobjoll, dass die wirklich guten Leute, sich bei der Bestimmung des Gehalts sehr sensibel festlegen und nicht übertreiben. Es käme im Schnitt nur alle 2 Jahre vor, dass jemand dabei wirklich übertreibt, woraus geschlossen werden kann, dass Besagter sich auch bei der täglichen Arbeit überschätzt. Dann müsse er, so Kobjoll ablehnen, wobei er allerdings den Preis des Arbeitnehmers dahingehend respektiert, als dass nicht versucht wird, den Gehaltswunsch nach unten zu drücken. „So etwas machen wir nicht!“ so der Geschäftsführer überzeugend im Interview.

 

„Wer zu wenig verlangt muss Mängel haben!“

 

Wie er denn reagiere, wenn ein Bewerber sich zu niedrig ansetzt, wollten wir wissen. Auch dabei kann er auf genügend Erfahrungen zurückgreifen: „Selbstverständlich kommt es auch immer wieder vor, dass Bewerber sich zu niedrig ansetzen und wir eigentlich gewillt wären, mehr zu zahlen. Dann sage ich ihm aber auch nicht „Es gibt mehr“, sondern warte erst einmal die Probezeit ab. Aufzahlen kann man immer, wegnehmen ist schwierig!“. Zusammenfassend kann gesagt werden, wenn jemand zu wenig verlangt aber eigentlich die Qualifizierungen hat, so zieht Herr Kobjoll den offensichtlichen Schluss, ein Bewerber sehe selbst einfach noch zu viele Mängel in der Qualität seiner Arbeit oder er hat ein derart niedriges Selbstbewusstsein bei der Gehaltsfindung, dass dies auch im Tagesgeschäft nicht förderlich sein kann.

 

„Ich empfehle allen meinen Mitarbeitern die Selbstständigkeit anzustreben!“

 

Im Gespräch mit Herrn Kobjoll erkennen wir immer wieder wie wichtig ihm die Wertschätzung und Förderung seiner Mitarbeiter ist.

 

„Wirklich erfolgreich kann nur werden, wer entweder in einem wachsendem Unternehmen arbeitet oder wer sich selbständig macht. Letzteres empfehle ich allen meinen Mitarbeitern und viele haben es auch erfolgreich getan!“

 

Der Mensch steht für unseren Interviewpartner an erster Stelle. Es gibt 41 verschiedene Seminare für seine Mitarbeiter, dazu gehört eine persönliche Situationsanalyse, die Festlegung der Lebensziele und strategische Planung nicht nur für den Job sondern auch fürs Privatleben.

 

Das Engagement für seine Leute macht sich bezahlt

 

Auf die Frage, wie sich denn die Wunschgehalt-Politik auf sein Unternehmen ausgewirkt hat bekamen wir zu hören, dass in den 29 Jahren seines Unternehmertums ein Umsatzplus von 321% (an einem Standort) erwirtschaftet, das entspricht einer Umsatzsteigerung von 12% im Jahr. Das läge nicht nur an der Wunschgehalt-Politik, äußerte sich Kobjoll, sondern an der Tatsache, dass sie ein wachsendes Unternehmen sind.

 

Weiters erhält der Geschäftsführer zwischen 200 und 400 ungefragter Bewerbungen pro Jahr „da spare ich mir die Kosten für eine Jobanzeige, weil ich immer an die 50 Stück Bewerber am Schreibtisch liegen habe!“

 

Auch Krisen übersteht der Schindlerhof leichter. Auf Grund der offenen Kommunikation akzeptieren die Mitarbeiter auch schon mal Lohnkürzungen. Letztendlich liegen alle Zahlen offen auf den Tisch und es erfolgt eine sorgfältige Kommunikation über Wochen oder Monate, wo jeder Mitarbeiter sieht „verdammt, der kann gar nicht anders! Das kommt so gut wie nie vor, aber wir hatten es auch schon mal!“

 

Auf der anderen Seite muss auch gesagt werden, dass bei allen Preiserhöhungen, solange die Lohnkosten im Rahmen sind, es in dem Verhältnis auch aufgerundeten Inflationsausgleich für alle gibt, und zwar einmal im Jahr.

 

Auch erwähnenswert finden wir die Tatsache, dass es im Schindlerhof 80% Frauenanteil, auch in der Führung, gibt

 

Gehaltsforderungen? „Entweder entschuldige ich mich, oder ich bekomme einen dicken Hals!“

 

Wie er denn, nach bereits bezahlten Wunschgehalt und außerhalb des jährlichen Inflationsausgleichs zu Gehaltsforderungen stehe, wollten wir wissen. Darauf meinte der Geschäftsführer: „Also in der Theorie gibt es nur zwei Möglichkeiten wie ich reagiere. Entweder entschuldige ich mich bei ihm, dass ich es nicht früher gemerkt habe oder ich kriege einen dicken Hals und sage ihm, er soll sich erst mal seine Leistungen ansehen.“

 

Auf die Frage für wen er sich entscheide, wenn zwei Menschen bei gleicher Qualifikation, gleichem Sympathiewert und einer Gehaltssteigerung von 15% unterschiedliche Gehälter verlangen (z.B. €2.500,-- und €3.500,-- für eine Marketingassistentin), erhielten wir folgendes Beispiel aus der Praxis. Tatsächlich hatte er einen ähnlichen Fall bei der Stelle seiner persönlichen Assistentin. „In diesem Falle habe ich im Gespräch mit der „teureren“ Kraft, nachgefragt, was denn ihre persönlichen Talente sind. Dabei stellte sich heraus, dass sie sehr gut mit Wörtern umgehen kann. Nun, ich habe zur Zeit ein unfertiges Buchmanuskript herumliegen, das dringend überarbeitet werden muss. Als ich der Dame davon erzählte, strahlten ihre Augen!“ In so einem Falle sieht es Herr Kobjoll auch gerechtfertigt, dass er, wie in unserem Beispiel auch schon mal € 1000,-- mehr bezahlt, weil er trotz gleicher Qualifikation einen zusätzlichen Nutzen sieht.

 

„Der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst!“

 

Ob er denn denke, dass die Wunschgehalt-Politik auch in Großbetrieben umsetzbar wäre, wollte das Kleiner-Fisch Team wissen. In Großunternehmen, so Kobjoll, würde es wesentlich länger dauern, diese Strategie einzuführen und es kann auch nur funktionieren, wenn die Spitze 100% dahinter steht! „Der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst, wenn man beispielsweise einen angestellten Manager in Führungsposition hat, der nicht 100% überzeugt ist, dann floppt das natürlich!“

 

Schwieriger wird es freilich auch Wunschgehälter zu realisieren, wenn man, wie in der Industrie üblich, viele Positionen hat, wo jeder die gleiche Arbeit verrichtet, wie z.B. am Fließband. Dort kann man schlecht hergehen, wenn die Leistung tatsächlich sehr vergleichbar ist, und dem einen mehr zahlen als dem anderen.

 

Wo Leistung unterschiedlich bewertbar ist, da kann die Wunschgehalt-Politik auch zur Anwendung kommen. Herr Kobjoll ist auch sehr darauf bedacht, niemanden Ratschläge zu geben, die auch immer „Schläge“ bedeuten, aber, so unser Gesprächspartner „es gibt sicher einige in der Hotellerie, die dies in meinen Seminaren schon gehört und auch übernommen haben!“

 

„Ich glaube nach wie vor an das Prinzip vom Tellerwäscher zum Millionär!“

 

Aber bleiben wir noch einen Moment bei beim Niedriglohnsektor bzw. bei Mitarbeitern, die gleiche Leistung erbringen, da jene gerade dem Kleiner-Fisch Team besonders am Herzen liegen.

 

Wie Herr Kobjoll uns berichtet, werden bei jenen Positionen keine Wunschgehälter bezahlt. Es wird zwar gefragt, was vorher verdient wurde und welche Vorstellungen existieren. Bekommen werden diese Personen auch maximal € 50 oder € 100 mehr als Kollektiv, aber mehr auch nicht. „Sehen Sie, es gibt z.B. auch Zimmermädchen, die Analphabeten sind bzw. kein Wort Deutsch oder Englisch sprechen und da stoße ich auch an meine Grenzen!“

 

Unser Interviewpartner ist aber nach wie vor der Meinung, dass es funktionieren kann, vom Tellerwäscher zum Millionär, wenn sich jemand dementsprechend anstrengt. Die Vorgesetzten müssen dann einfach spüren „in dem steckt noch mehr drin“ dann kann das auch gefördert werden.

 

Genau dafür setzt Klaus Kobjoll sich auch ein. Wobei hier machte ihm die Bürokratie leider einen Strich durch die Rechnung.

 

Saftige Strafe für Förderung von Migranten – darf das wahr sein?

 

Ein Asylant aus Sri Lanka, ohne Deutsch- bzw. Englisch Kenntnisse, hatte die Genehmigung in einer Spülküche zu arbeiten, aber nicht mehr! Der junge Mann wurde im Schindlerhof somit in der Küche angestellt und arbeitete ein Jahr dort. Er entwickelte sich hervorragend und seine Vorgesetzten hatten das Gefühl, der kann und will mehr! Herr Kobjoll finanzierte ihm den Führerschein (die Prüfung legte er in seiner Landessprache ab). Er wurde zum Assistenten des Hausmeisters befördert und erledigte somit auch Einkäufe und Besorgungen.

 

Bei seiner dritten Fahrt, wurde er von der Polizei angehalten und kontrolliert. „Die haben gesehen,“ so Kobjoll im Gespräch mit Kleiner-Fisch „da sitzt ein Farbiger in einem Deutschen Auto, da kann was nicht stimmen! Letztendlich bekam ich eine dicke Strafte aufgebrummt, weil der junge Mann eben nur eine Genehmigung für die Arbeit in der Spülküche hatte!“

 

„Dienen kommt vor dem Verdienen.“

 

Im Schindlerhof herrschen nicht die normal üblichen Arbeitszeiten, sondern so genannte Vertrauensarbeitszeit. Die Stunden werden eigentlich nur hinter den Kulissen erfasst. Vertrauensarbeitszeit heißt, dass der Kunde die Arbeitszeit bestimmt. Ein Unternehmer zahlt seiner Meinung nach, auch nicht das Gehalt. Der Kunde zahlt das Gehalt. Herr Kobjoll sieht sich rein als Vermittler zwischen Kunden und Arbeitnehmer.

 

Es ist dem Unternehmer wichtig, dass alle Standards die festgelegt wurden (z.B: ein Email wird in zwei Minuten bearbeitet, ein Brief am Tage des Erhalts), auch eingehalten werden. „Solange die Mitarbeiter dies erfüllen, hab ich kein Problem wie lange die Leute da sind.“

 

Grundsätzlich will Herr Kobjoll seine Mitarbeiter „mit Haut und Haaren“, dh. er schätzt, dass niemand unter 45 Wochenstunden nachhause geht.

 

Obwohl das Kleiner-Fisch Team sich schon gegen All In Verträge ausgesprochen hat, sieht man dennoch im Schindlerhof, das alles absolut fair für beide Seiten abläuft. Gerade in der Touristik, ist es klar, dass auch spätabends noch die Gäste bedient werden möchten. Dies wird offen kommuniziert und jeder kann für sich selbst die Überstunden ins Wunschgehalt einrechnen. Hier wird nicht, wie es oft in Großunternehmen geschieht, der All In Vertrag als eine Art Lohnkürzung verwendet, sondern hier wird faire Arbeit zu fairen Gehältern geleistet!

 

Gibt es denn Gehaltsneid im Schindlerhof?

 

„Neid gibt es bei uns keinen!“ erzählt der Geschäftsführer uns, „denn Neid ist wie Säure. Neid hindert den Menschen daran, das zu bekommen, worum er andere beneidet!“ Weise Worte. Darum sucht Klaus Kobjoll auch Mitarbeiter aus, die er für nicht neidisch hält.

 

Als zwei seiner Köche von einem Fernsehteam interviewt wurden, fragte der Fernsehmann den einen: „Ihr Kollege, der da neben Ihnen steht, ist genauso alt wie Sie, macht die selbe Arbeit und verdient € 500 mehr als Sie! Finden Sie das gut?“ Daraufhin antwortete der junge Mann: „Der ist nun halt mal ein paar Hundert Euro besser als ich, aber in zwei Jahren überhole ich ihn!“

 

Herr Kobjoll schilderte uns noch ein zweites Beispiel. Im Schindlerhof gibt es freie Dienstwagenwahl für Führungskräfte.  Einer seiner Küchenchefs fuhr eben mit seinem neuen Dienstwagen vor: Ein Mercedes 300 SL Cabriolet! Alle jungen Köche, Lehrlinge und sonstige Mitarbeiter versammelten sich um das Auto. Es wurde mit Champagner angestoßen, der Geschäftsführer gratulierte zum neuen Auto. „Wissen Sie,“ schilderte der Geschäftsführer „ich habe die Situation beobachtet und in keinem Gesicht war zu lesen 'der kriegt das und ich nicht!' Im Gegenteil, ich spürte wie jeder stolz war, alle haben sich für Ihren Küchenchef gefreut. Die haben eher gedacht 'Ich brauche vielleicht noch 5 Jahre, aber dann schaff ich das auch!“

 

Das Kleiner-Fisch Team dankt Herrn Kobjoll für das tolle Interview!

 

 

Mehr Infos:

Schindlerhof Klaus Kobjoll GmbH
Steinacher Straße 6-10

D-90427 Nürnberg

Tel: 0049 911 93020

http://www.schindlerhof.de/

 

 

Regina Gregory & Yvonne Hacker

www.kleiner-Fisch.at – Revolution der Arbeitnehmer
Das Mutmacher-Portal

Österreich

Tel:  0676 733 20 47

www.kleiner-fisch.at

www.facebook.com/KleinerFisch.Revolution

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben