Patrick Killmeyer & DI Philipp Sackl

03.7.2013 von Patrick Killmeyer & DI Philipp Sackl (Kommentare: 2)

[Wertschätzung.Jetzt] Wider der Kritik

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Die Medien sind voll von Meldungen zu Burnout, fehlendem Engagement in Unternehmen, stressbedingten Krankheiten und Ähnlichem –  alles Teil unseres heutigen Berufslebens das damit viele Probleme unserer Gesellschaft wiederspiegelt. Gründe für diese Entwicklungen mag es viele geben, entscheidend scheint  jedoch ein akutes Defizit an Wertschätzung. Statt Menschen aufzubauen, sind wir Weltmeister im Kritisieren. Kein Wunder, die Äußerung von Kritik wird uns quasi „in die Wiege“ gelegt und begleitet uns unser Leben lang. Laut einer Untersuchung der Harvard Universität hört ein Mensch im Durchschnitt bis zu seinem 18. Geburtstag über 150.000 negative Suggestionen, wie z.B. „Du schaffst das nicht! Das kannst du nicht! Das ist nichts für dich! Dafür bist du zu klein!“. In den besten Fällen sprechen wir von „konstruktivem Feedback“, in den schlimmsten Fällen sind es persönliche Angriffe, die als Mobbing mittlerweile wenigstens strafbar sind. Ein erschreckendes Beispiel, wie Kritik Menschen in ihren Grundfesten erschüttern kann, finden wir in der aktuellen Berichterstattung zum Bachmannpreis: Öffentliche, zum Teil erniedrigenden Kritik  wie „Wen interessiert schon, was die Frau denkt, was sie fühlt, […]? Das ist keine Literatur -  das ist ein Verbrechen!“ führt zu monatelangen Schreibblockaden oder im konkreten Fall zur Aufgabe der literarischen Karriere.  Öffentlich Menschen klein zu machen ist mittlerweile durch unzählige Castingshows Teil unserer Unterhaltungsbranche und damit unserer Gesellschaft geworden. Die Konsequenzen spüren wir nicht nur  als Privatpersonen, sondern auch im Arbeitsleben.  Selbst in Konzernzentralen prägt Angst vor Kritik die Handlungen und verhindert somit mutige, richtungsweisenden Entscheidungen. Ohne mehrfache Absicherung durch  Zahlen, Daten und Fakten, am besten von externen Managementberatern, wird nicht mehr gehandelt. Das Herz in die Hand zu nehmen und auf seine Erfahrungen und sein Bauchgefühl zu vertrauen, bedeutet im Falle eines Fehlers fast schon den Karriereselbstmord.  So vielfältig die Auswirkungen unserer Kritikgesellschaft auch sind,  mit der alleinigen  Kritik daran wird sich nichts ändern. Es benötigt ein Gegengewicht.

 

Balance durch ehrliche Anerkennung

 

Es ist das Gebot der Stunde, unser Augenmerk auf positive Rückmeldungen zu legen, um dem Übermaß an Kritik ein „Mutmachen“ entgegenzustellen. Was im Spitzensport schon längst alltäglich ist, sollte unbedingt vermehrt in unserem beruflichen Alltag Einzug halten: Das Erkennen und die Entwicklung von Stärken. Es fällt uns schon schwer, eigene Stärken auszumachen, geschweige denn sie bei anderen wahrzunehmen und entsprechend zu kommunizieren. Würden wir wie Trainer im Spitzenspitzensport agieren, dann würden wir unseren Kollegen laufend Anerkennung für ihre Stärken vermitteln. Anerkennung bewirkt, dass Menschen auf ihre Fähigkeiten vertrauen, sie bewusster einsetzen und damit Sicherheit und Energie für ihre persönliche Weiterentwicklung gewinnen. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: „Ich schätze deine Souveränität. Es war für mich beeindruckend wie du gestern in deiner Präsentation mit den provokanten Fragen umgegangen bist. Da du nicht auf die Angriffe eingestiegen bist, hast du dir echten Respekt erarbeitet!“

 

Kritik an sich ist natürlich ein wichtiges Element unserer Kommunikation, solange sie nicht verletzt und wohldosiert ist.  Wie oben ausgeführt, haben wir erlernt, uns vor allem auf die Schwächen unserer Mitmenschen zu konzentrieren. Wagen Sie dazu einen Selbstversuch: Fallen Ihnen spontan drei konkrete Stärken eines Kollegen ein? - Viele von uns sind einfach nicht geübt darin,  Stärken bei anderen wahrzunehmen und diese anzuerkennen.  Doch genau das sollte unser Ziel sein: Für eine wertschätzendes Arbeitsumfeld, in dem Menschen bestärkt und von ihren Kollegen und Vorgesetzten gefördert und geschätzt werden. Für eine Unternehmenskultur, die nicht nur Zahlen und Daten gehorcht, sondern auf menschliche Entscheidungen setzt. Und für eine Gesellschaft, die Wagnisse honoriert, welche eingegangen werden, weil man auf eigene Stärken setzt und manchmal einfach seinem Instinkt vertraut.

 

Viel Erfolg beim Stärken stärken wünschen Euch Patrick Killmeyer & Philipp Sackl von Kraftwerk Anerkennung!

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Kommentar von Stephan Jelinek | 2013-07-06

Sehr guter Artikel ! Was fehlt, ist eine Job- und Gründungscoachagentur für Quer- und Lautdenker für die alle DACH-Regionen, denn diese Gruppe wird gemobbt, abgeschoben, abgefunden und ausgegrenzt, da es sich die Rundgelutschten und Kriecher in den großen Organisationen sehr gemütlich gemacht haben. Wollen wir das zusammen angehen ?

Kommentar von Philipp Sackl | 2013-07-08

Lieber Herr Jelinek! Danke für ihre tolle Rückmeldung zu unserem Beitrag. Kontaktieren Sie mich doch bitte zu Ihrem Vorschlag direkt, meine Kontaktdaten finden sie auf unserer Homepage www.kw-a.com oder auch auf Xing!