Dr. Manfred Greisinger

20.3.2013 von Dr. Manfred Greisinger (Kommentare: 0)

Wie der Papst beEINDRUCKt - Impression Management aus dem Lehrbuch

Bild by Salzburger Nachrichten

Erster Auftritt von Jorge Mario Bergoglio: „Buena sera“… Franziskus, der neue Papst, sagt am Balkon des Petersdoms: „Sie gingen offenbar bis ans Ende der Welt, um Rom einen neuen Bischof zu geben.“ Er lacht. Die Menge jubelt. Und wird plötzlich ganz still, als sich der neue Oberhirte weit nach vorne beugt, den Kopf nach unten, um den Segen der Menschen zu erbitten.

 

Was für eine Geste! Bereits in diesem Moment hat er wohl eine Milliarde ZuschauerInnen für sich gewonnen. Selbst kritische Geister tun sich schwer, ihn nicht sympathisch zu finden.

 

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck, heißt es. Franziskus betreibt absolut perfektes „Impression-Management“: allein die Wahl seines Papst-Namens nach dem Bettelmönch des 13. Jahrhunderts lässt ein – neues - Programm der Bescheidenheit und Achtsamkeit für die katholische Kirche erwarten. Als „Kardinal der Armen“ habe er sich bereits in Argentinien einen Namen gemacht; er wohnte bescheiden, fuhr in der U-Bahn und wusch Alten, Kranken, Aids-Kranken die Füße…

 

-         Der neue Papst zahlt selbst sein Hotelzimmer in Rom, in das er vor dem Konklave eingezogen war.

-         Er setzt sich als Papst nicht auf den für ihn reservierten Platz, sondern unter die Kardinäle.

-         Er fährt im offenen Jeep statt dem kugelsicheren Papamobil.

-         Er nutzt jede Möglichkeit, Menschen zu grüßen, zu umarmen

-         Er verzichtet auf die roten Designerschuhe, geht lieber weiter in seinen alten schwarzen…

-         Er spricht von Demut, von der Macht des Dienens, von Zärtlichkeit.

-         Der „Fischerring“ ist nicht echt gold, sondern „nur“ vergoldet.

-         Ja, und Franziskus tritt lieber in der weißen Soutane auf als in „Prunkgewändern“.

 

Kein Beraterstab könnte all die Gesten, Worte und Taten in solch Perfektion planen; also muss dieser erste Jesuit und Lateinamerikaner an der Spitze der Katholischen Kirche „echt“ sein.

 

Bei allen Umarmungen und Offenheitsbekundungen darf nicht vergessen werden, dass er in Fragen der Sexualmoral und gleichgeschlechtlichen Liebe keinen Zentimeter von der  erzkonservativen Vatikan-Linie abweicht. Und er ist einer der reichsten Monarchen der Welt; mit absoluter Macht ausgestattet.

 

Was Franziskus aus seinem Amt macht, steht in den Sternen. Der Einstand ist jedoch mehr als gut gelungen. Und viele, die in der Öffentlichkeit stehen – und sich demnächst in Politauseinandersetzungen um Wählerstimmen werben müssen – sind gut beraten, sich von Bergoglio und dessen Markenschöpfung „Franziskus“ inspirieren zu lassen. – Wer ist er, und wofür steht er? Diese Kernfragen jeder Markenpersönlichkeit sind bei Franziskus in Formel I Geschwindigkeit beantwortet worden. – Bei den meisten heimischen Polit- und Wirtschaftsverantwortlichen rätselt man weiter…

 

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