Dr. Leo Hemetsberger

12.4.2013 von Dr. Leo Hemetsberger (Kommentare: 0)

Sich beruflich verändern - Diverse Erfahrungen eingedampft

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Jetzt: Stillstand oder Einerlei

Aber dann: Erfüllung und beruflicher Erfolg

 

Sie verspüren keine Zufriedenheit mehr, das 'business as usual', stressig wie immer, zieht sich so dahin. Man erstickt an den Gewohnheiten, es gibt keine neuen Herausforderungen, nur höheren Zeitdruck. Sie denken sich vielleicht: "Habe ich überhaupt das Falsche gewählt, zähle ich schon die Tage bis zur, nein das kann es nicht gewesen sein... Aber wie bin ich überhaupt hier her gekommen? War ich damals jemandem verpflichtet, habe ich den Umständen erlaubt, mir zu diktieren was zu tun ist? Hatte ich auch ein wenig Angst vor der Freiheit? Was waren eigentlich die Grundlagen meiner Berufswahl, im Rückblick keine unerhebliche Entscheidung, war es überhaupt meine eigene? Und wie geht es jetzt weiter, wieviel Zeit bleibt mir noch?"

 

Wie machen es die anderen? Da gibt es zum Beispiel jene Kollegen, die schon vor vielen Jahren ihre Rechnung gemacht haben, dass es sich, wenn sie jetzt noch einmal von vorne beginnen, einfach nicht rentiert. Bis sie die Ausbildungen abgeschlossen haben, sich wieder hinauf arbeiten um dann zumindest wieder das zu verdienen, was sie jetzt schon kriegen - Strich drunter, das ist dann soviel realer Verlust. Nein, das zahlt sich nicht aus. Auch weil ja die ganzen wohlerworbenen Sozialleistungen und sonstigen Vergünstigungen weg wären. Verständliche Argumente, aber wieso schaue ich, wenn ich sie bei der Arbeit beobachte, in graue Gesichter mit stumpfen Blicken, während sie ihre scheinbar monotonen Abläufe abspulen?

 

Was sind dagegen fünf bis zehn Jahre Investition (- ja sie haben richtig gelesen). Rechnen sie mit dieser Zeitspanne, vor allem, wenn Sie beabsichtigen sich selbständig zu machen. Vielleicht sind sie jetzt um die dreißig und kriegen gerade den Kopf aus dem Wasser, d.h. schön langsam den Durchblick, wie es so läuft hier im Job. Nein, ich bin mir sicher, das haben sie schon viel früher durchschaut. Doch Zeit und Ressourcen sind beschränkt. Und ja doch, die Annehmlichkeiten, außerdem ist es so schwierig abzuwägen, was nicht alles passieren könnte, die Großwetterlage usw.

Sich hier und jetzt neu erfinden? Die Ratgeber sind voll mit Tipps dazu. Klingt verdächtig einfach, zu einfach um wahr zu sein? Der Ich-AG Hype ist auch schon lange wieder abgeflaut. Bei wirtschaftlicher Ebbe zeigen sich die scharfen Klippen der Präkariate. Als was sich neu erfinden? Wird es auf dem, was man bisher getan hat aufbauen, oder etwas ganz Neues sein.

 

Will man wirklich zehn Jahre einsetzen, bei einem so offenen Ergebnis? Wie haltbar ist meine Vision? Wie genau hab ich das durchdacht? Macht das Sinn oder mache ich mir nur was vor? Was wird dann sein, wie werde ich mich fühlen? Wer gibt mir dazu eine offene ehrliche Rückmeldung?

 

Zum Nachdenken: Es gibt zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann, das sind Gestern und Morgen. Deshalb ist es auch sinnlos sich um das Gestern oder das Morgen zu sorgen. Hic rhodus, hic saltus lautete in der Antike die einfache Antwort an einen mit seinen ehemaligen Leistungen prahlenden Athleten - hier ist Rhodos, hier und jetzt springe.

 

Doch wer garantiert mir, dass diese Entscheidung die richtige ist, bin ich mir aller möglichen Konsequenzen voll bewusst oder soll ich einfach bei dem bleiben was ist? An welche Experten kann ich mich wenden?

 

Wie machen es die anderen? Heißt das jetzt eine berufsbegleitende Weiterbildung in Angriff nehmen, mindestens zwei bis drei Jahre in Abend- und Wochenendkursen zu sitzen, Urlaubszeit und Urlaubsgeld dafür investieren? Aber erst einmal wieder ins Lernen hinein kommen. Wie lange ist das her?

 

Mann/Frau und Kinder - er/sie ist ebenfalls berufstätig, sonst wäre das alles nicht leistbar, und die wunderbaren Kleinen fordern Aufmerksamkeit, zu der jetzt schon nicht viel Zeit bleibt, und dann noch weniger sein wird. Sie wollen geliebt und gefördert werden. "Nein jetzt nicht, weil Papa und/oder Mama muss/müssen lernen..." Also doch alles nur ein Egotrip, wann ist genug genug? Oder sind es nur die idealisierten Vorstellungen eines "ordentlichen Familienlebens", die für das ungute Gefühl im Bauch sorgen, wenn einen in der Nacht das schlechte Gewissen durchbeutelt?

 

Was solls - irgendwann fällt dann die Entscheidung, in unseren Fällen dafür, und es geht los, entweder parallel zu Vollzeitjob und Familie, unter glücklicheren Umständen als Sabbatical oder anderen Formen der Karenzierung, manche werden sogar durch den Arbeitgeber unterstützt, falls sie nicht in den zweifelhaften Genuss einer Freisetzung mit Sozialplan oder glücklicherweise in ein Outsourcing Programm kommen.

 

Bei Vielen ist aber auch von heute auf morgen einfach der Job weg. Wer wieder einmal einen Wechsel ins neue Berufsfeld beginnt und sich beim AMS anmeldet, oder sich schon länger in der Leiharbeiter Spirale befindet wird bemerken, dass hier die Wege nicht immer wie versprochen nach oben weitergehen. Die Möglichkeiten mögen vielfältig klingen und sehr unterschiedlich sein, doch in einem gleichen sie sich alle: es ist der eine Tag, an dem das eine aus und das andere, was auch immer kommen wird, noch nicht begonnen hat. Dieser Tag fängt wie jeder andere an und hat auch nur 24 Stunden. Genießen Sie sie, Angst wäre das letzte Gefühl, das jetzt angebracht wäre, weil es ist aus, vorbei, erledigt, Juhu!

Man gleitet also los, manche springen oder tasten sich zögerlich vorwärts, wähnen sich fallend, fürchten eine unbestimmte dumpfe Leere auf sich zu kommen, wissen oft, auch wenn sie sich schon für den einen oder anderen Lehrgang eingeschrieben haben, sofern nicht vom AMS unfreiwillig "bemaßnahmt" werden, eigentlich noch nicht genau, was am Ende rauskommen soll.

 

Alea jacta est, jetzt beginnt die Weiterbildungsphase. Ein neuer Baustein im Life long learning Programm wird gesetzt, was immer das auch sein mag. Egal ob man am Ende einen Meisterkurs absolviert, ein Dissertation, Master- oder eine Bachelorarbeit geschrieben hat, eine fachspezifische Vertiefung oder eine komplette Umschulung geschafft haben wird, es wird auf jeden Fall spannend, herausfordernd und es wird auch anstrengend, richtige Knochenarbeit werden. In vielen Bereichen, oft nicht nur finanziell gesehen, bleibt ab Tag zwei kein Stein auf dem anderen. Also genießen Sie den ersten Tag des neuen Abschnitts voll, egal unter welchen Voraussetzungen und Vorzeichen die Veränderung gestanden haben mag. Jetzt einmal richtig gut ausschlafen, dann spazieren gehen oder etwas tun, dass sie sich schon lange vorgenommen hatten. Sie leben in Österreich, da fällt man nicht so leicht durch den Rost, wir haben noch immer eines der stärksten Sozialnetze der Welt. Entspannen Sie sich, es kann ihnen nichts geschehen.

 

 

                                                                                                                         

 

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