Dr. Alexander Norman

05.3.2014 von Dr. Alexander Norman (Kommentare: 0)

Entfesselung der Wirtschaft - ein frommer Wunsch?

Bild via glueck321

Wenn in der Vorwahlzeit von der Entfesselung der Wirtschaft gesprochen wurde, so wäre es jetzt, wo die politischen Machtverhältnisse wieder geregelt sind, höchst an der Zeit an die Umsetzung dieser vollmundigen Ankündigung zu gehen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit wäre dies nicht nur ein gesellschaftspolitisches Anliegen, sondern auch ein wirtschaftliches und finanzielles. Offensichtlich gibt es da zu wenig Motivation oder zu viele Hindernisse. Die Banken vergeben nur sehr spärlich Kredite, was aber für eine Investitionsinitiative von eminenter Bedeutung wäre. Die Tatsache, dass viele Ziele in das Regierungsprogramm eingeflossen sind kann keinesfalls schon als Erfolg gewertet werden, was aber viele der Politik Nahestehende entsprechend dem Grundsatz “Politik ist die Kunst des Machbaren“, als für den Standort „erreicht“ klassifizieren. Dagegen wurden aber viele Ziele in die Zukunft verschoben und auch nicht näher konkretisiert. Im Nachhinein darf man sich fragen worüber so lange und so intensiv verhandelt wurde. Offensichtlich ging es um parteipolitischen Terraingewinn und um die „Zementierung bestimmter Positionen“. Keine Rede von Flexibilität. Es macht nachdenklich, wenn die Anhebung von Höchstarbeitsgrenzen als Modernisierung des Arbeitsrechts dargestellt wird, wo es erstens nur im Ausnahmefall  eingefordert werden soll und wo andererseits Abwesenheitszeiten, Krankenstände und Arbeitsunfälle sowie Fehlerhäufigkeiten (Spitäler) in den letzten Monaten und Jahren zugenommen haben. Von Work-Life Balance wird nur an Sonntagen bzw. bei einschlägigen Kongressen gesprochen. Das vielgerühmte Modell „Haus der Arbeitsfähigkeit“ hat nicht nur an der Außenwand Risse und Brüche bekommen. Mit dem Fit2work Programm hat man allerdings auch noch nicht den Stein der Weisen gefunden, denn nach wie vor wird die zunehmende Arbeit auf immer weniger Menschen verteilt. Das liegt nach wie vor an den Lohnkosten, auch wenn eine neue Überstundenabgabe abgewendet werden konnte. Auch das erscheint mir als Pyrrhussieg angesichts der Arbeitslosenzahlen. Eine Entfesselung beginnt eben beim Loslösen, der Fesseln und wenn es schnell gehen soll, beim Durchschneiden derselben – und es sollte schnell gehen.

 

Die Anhebung des Pensionsantrittsalters sollte mit den erforderlichen Begleitmaßnahmen beginnen, mit der Absicherung einer erst später auszuzahlenden Pension, mit der Attraktivität für Unternehmer und Mitarbeiter, die nicht für Ihren Einsatz und ihre Bereitschaft bestraft werden sollten. Neue Aufgaben ohne Herabstufungsmöglichkeit, so ferne dies auch eine Erleichterung bringt, werden für den Arbeitgeber nicht die Motivation bringen. Hier sind mehrere Gesichtspunkte auf beiden Seiten zu verhandeln bzw. zu berücksichtigen. Vor allem die Bereitschaft ältere Mitarbeiter neu einzustellen ohne mit der Angst  einer späteren Kündigungsanfechtung zu leben. Hier bedarf es einen grundlegenden Gesinnungswandels und des Mutes hier neue Wege zu gehen. Dabei liegen in der Veränderung mehr Chancen, wenn man ihnen mit der nötigen Sorgfalt und Konsequenz begegnet und auch aus anfänglichen Fehlern lernt. Es sollte auch ein Quotenmodell als Malus eingeführt werden - oder soll es nur eine Alibiabgabe für möglichst viele Betriebe werden( ab 25 Mitarbeiter), die sich mit dieser Problematik sicherlich schwer tun. Und was hilft es denjenigen Menschen, die mit dieser (noch so hohen) Malus-Abgabe  keinen Job bekommen? Woran liegt den Erfindern dieser Regelung, die nur Administration und Bürokratie schafft, unternehmerische Freiheit einschränkt und keineswegs das eigentliche Ziel erreicht? Wieder nur ein Ablenkungsmanöver?

 

Entfesseln lässt sich die Wirtschaft nur durch mehr  Freiräume, attraktive Rahmenbedingungen, Rückbau der bürokratischen Hürden und vor allem  uneingeschränkte Nutzung von Potenzialen, die bei den Mitarbeitern liegen, aber auch bei den vielen Menschen, die noch nicht ganz ausgebrannt sind, noch Ideen und Wünsche haben, die aber auch die Weisheit und Distanz aufweisen um Dinge kritisch und mit neuem Elan anzupacken verstehen. Das ist nicht eine Frage des Alters, sondern ein Frage der Einstellung, der Bildung, der Werteorientierung, die sich im Laufe der Jahre gebildet hat. Es ist glatt weg ein volkswirtschaftliches Verbrechen ältere Menschen nicht das tun zu lassen was ihnen und der Gesellschaft gut tun würde, ein Verstoß gegen die Menschenrechte gegen die Altersdiskriminierung, gegen Naturrecht. Aber rührt das jemanden??

Zurück

Einen Kommentar schreiben